The Cult in Köln

Kultische Verehrung, leicht eingeschränkt

„Electric 13“ lautet das Motto, mit dem die ursprünglich britischen Rockheroen von The Cult nach Monaten auf Welttour nun endlich auch für zwei Konzerte in Deutschland aufschlugen. „Electric 13“, da sie im ersten Teil ihres Sets ihr legendäres Album „Electric“ abfeiern, das vor sechsundzwanzig Jahren das Licht der Welt erblickte. Warum die „13“ weiß Jim Knopf, ist halt auch die Hälfte von 26, klingt aber besser. Nicht durchgängig ganz so gut klangen The Cult bei ihrem gestrigen Konzert in der Live Music Hall zu Köln. Doch das Gute und Schöne überwog, sich selbst elaborierend elektrisierend.

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Electric 13 & B 52 - The Cult (Stephan Wolf)

Electric 13 & B 52 – The Cult (Stephan Wolf)

Es war ein illustres Völkchen, das sich da gestern Abend auf den verregneten Weg in die Live Music Hall machte: Auf ewig jung getrimmte Rockposer, brave Familienväter auf Revival-Trip, überwiegend chic und schwarz gewandete Frauen, die irgendwo zwischen den männlichen Polen einzuordnen sein dürften. Die Stimmung einte sämtliche Fraktionen; mit Euphorie, Ernüchterung und Einvernehmen war so ziemlich alles dabei, was von altgedienten, tendenziell vom eigenen Ruhm leicht benebelten Stars des Rockbusiness so zu erwarten ist.

Nehmen wir es vorweg: Ian Astbury sind die Belastungen der langen Tour anzumerken. Seine zu Recht berühmte Stimme kommt nur in Ausnahmemomenten zur Geltung, zwischendurch klingt sie eher wie eine Parodie auf sich selbst. Auch seine Performance als Frontmann legt den Verdacht einer mittleren Erschöpfung nahe. Ab und zu haut er wie ein Berserker aufs Tamburin, doch meistens hält er sich am Mikro fest, um womöglich seinen Einsatz nicht zu verpassen. Doch es ist seinem Publikum anzumerken, dass es ihm diese Schwächen durchgehen lässt. Der viel zu dezent abgemischte Bass-Sound sorgt da vergleichsweise für deutlich mehr Unverständnis.

Stimmungsvolle Untermalung (Stephan Wolf)

Stimmungsvolle Untermalung (Stephan Wolf)

Aber wer haut es raus? Natürlich Billy Duffy, der sich an der Leadgitarre als ein wahrer Gott seiner Zunft erweist. Mit seinem energetischen Spiel, vor allem seinen stets packenden Soli, macht er jeden Track zu einem Ereignis, dass einem Hören und Sehen vergehen könnte, wenn er nicht so fantastisch klingen und dabei fast noch besser aussehen würde. Wo sein Sänger schwächelt, demonstriert er die Macht auf sechs Saiten, Billy Duffy allein war das Eintrittsgeld wert.

Gegen Ende schien dann Herrn Astbury noch eine Laus über die vermutlich leicht hypertrophierte Leber gelaufen zu sein. Immer wieder „listen to the music“ (Madonna) skandierend, übertrug sich sein plötzliches Genervtsein auf ein Publikum, das zu irritiert war, um noch ausgelassen eine Zugabe einfordern zu wollen. Aber Ian bekam sich wieder ein und bot eine Zugabe, die sich gewaschen hatte – und letztlich als absoluter Höhepunkt der Veranstaltung die Beiwohnenden recht saturiert wieder in den Kölner Regen entließ.

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