Kathrins kontemporäre Kultur-Kolumne

Wie man ein Star wird – eine Anleitung

Ja, das wäre ein Leben: Sex, Drugs & Rock’n’Roll. Tausende jubeln einem zu, der achtlos ausgespuckte Kaugummi wird bei eBay für 5.000 Euro versteigert, nie mehr Knöllchen, stets von schönen, halbnackten Frauen (oder Männern) umgeben. Und ab und an vielleicht ein bisschen Musik machen. Sie haben kein Talent? Macht nichts. Wenn Sie diese zehn Tipps beherzigen, wird das keinem auffallen.

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Schritt drei auf dem Weg zum Star / Grafik: Kathrin Tschorn

Schritt drei auf dem Weg zum Star / Grafik: Kathrin Tschorn

Kaufen Sie sich einen Computer!
Der macht nicht nur die Musik für Sie, sondern ist auch ihr erster Schritt in die Öffentlichkeit. Richten Sie sich einen Facebook-, Twitter, Instagram-, Pinterest und – wenn Sie unbedingt wollen – auch einen Google+-Account ein. Posten Sie möglichst viele Fotos (von Ihrem Baby hinterm Steuer, Ihrem neuen Tattoo von Omi, aus dem OP-Saal bei der Brustvergrößerung) und kontroverse Statements (Obama ist kacke, Ich hatte keine sexuelle Beziehung mit diesem Tintenfisch, Wer ist Madonna). Warten Sie auf die Früchte Ihres Einsatzes: Ihren ersten Shitstorm.

Suchen Sie sich einen Manager!
Und wenn auch nur, um ihn aufmerksamkeitswirksam wieder zu entlassen. Sie können die Sache noch anheizen, indem Sie vorher eine Liebelei inszenieren. Gemeinsame Kinder ziehen auch immer. Aber passen Sie auf, dass ihr Manager mit seinen Eskapaden nicht berühmter wird als Sie. Und was immer Sie tun, setzen Sie keine Familienmitglieder in Ihr Management. Diese könnten nach einer durchzechten Nacht mit Spontanhochzeit die Vormundschaft für Sie übernehmen.

Ziehen Sie sich aus!
Nackte Haut funktioniert immer – egal ob Sie männlich, weiblich oder etwas dazwischen sind. Wenn Ihnen das zu plump ist, machen Sie sich für den Playboy nackig; das gilt als „Kunst“ und ist gesellschaftsfähig. Echte Könner zeigen sich der Öffentlichkeit stets im Porno-Outfit. Werden Sie kreativ: Tragen Sie Pony Heels, ein Kleid aus Steaks oder einen Ausschnitt, der nur noch mit doppelseitigem Klebeband hält (vergessen Sie nicht, ihn im richtigen Augenblick verrutschen zu lassen).

Gehen Sie in eine Castingshow!
Wenn Sie auf Touristengruppenpauschalreisen stehen, wird Ihnen hier sicherlich alles geboten, was Sie sich wünschen: Palmen und Aufmerksamkeit. Sie können dabei zwischen der niedlichen Nena, Beleidigungs-Bohlen und Drillinstructor D! als Mentor wählen. In jedem Fall kommen Sie ins Fernsehen. Sollten Sie gewinnen, haben Sie die Nummer 1 der deutschen Singlecharts schon in der Tasche, egal wie mistig Ihr Song auch sein mag.

Vergessen Sie Ihr Handy!
Am besten dort, wo die Klatschpresse es findet. Gehen Sie sicher, dass ein paar SMS mit sexueller Konnotation gespeichert sind, gerne auch von Leuten, die schon berühmter sind als Sie. Falls Sie schon Fans haben (im Idealfall Minderjährige), laden Sie diese ein, lassen Sie sie eine Verschwiegenheitserklärung unterschreiben, spielen Sie gemeinsam mit Mehl und knapper Bekleidung in einem Bett. Warten Sie, bis das erste Handy-Video bei YouTube hochgeladen wird.

Fahren Sie betrunken Auto!
Akte des Vandalismus haben noch jedes noch so talentlose Talent in die Presse gebracht. Zertrümmern Sie ein Hotelzimmer, vergessen Sie, dass Graffitis auch in Rio verboten sind, gehen Sie ins Bordell, fahren Sie unter Drogen- und/oder Alkoholeinfluss. Beim Aussteigen die Beine spreizen. Steigern Sie den Vandalismus je nach Musikgenre, in dem Sie sich bewegen wollen: vom leichten Kokainkonsum hinter den Kulissen des Musikantenstadls bis zum Verzehr von Fledertieren. Achten Sie darauf, dass Handykameras in der Nähe sind – Sie wollen sich die Mühe ja nicht umsonst machen.

Beleidigen Sie jemanden!
Aber nicht irgendjemanden. Es muss schon eine Person sein, die bereits berühmter ist als Sie. Oder spannen Sie einer berühmteren Person den Partner aus. Beleidigungen dürfen folgen.

Entschuldigen Sie sich!
Für all Ihre Verfehlungen müssen Sie sich natürlich entschuldigen. Machen Sie dies medienwirksam im entsprechenden Fernsehprogramm oder als Titelseite einer einschlägigen Tageszeitung. Warten Sie eine Woche und machen Sie weiter wie zuvor.

Seien Sie Ihr Maulwurf!
Sollte Ihre Musik neben all Ihren Skandälchen noch ins Gewicht fallen, dann kündigen Sie neue Alben immer ganz groß an. Am Wochenende vor der Veröffentlichung „leaken“ Sie Ihre neue CD ins Internet. Zeigen Sie sich enttäuscht von den Menschen in Ihrem Umkreis, die Sie offensichtlich hintergangen haben.

Vermeiden Sie Fehler!
Was auch immer Sie tun, behalten Sie die Kontrolle. Vergleichen Sie sich nie, nie, niemals mit Jesus.

Herzlichen Glückwunsch, Sie sind jetzt ein Star!

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Über Kathrin Tschorn

Kathrin Tschorn | Freiberufliche Musikredakteurin und Lektorin, beheimatet in Berlin. Stets Musik aus den Bereichen Pop, Rock, Indie, Jazz sowie allem dazwischen auf den Ohren und eine Tastatur unter den Fingern.

Eine Antwort auf Wie man ein Star wird – eine Anleitung

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