Verschwundene Pussy Riot-Aktivistin in sibirischem Arbeitslager

Über zwei Wochen ist die 23-jährige Pussy Riot-Musikerin Nadeschda Tolokonnikowa komplett verschwunden gewesen. Die in einem russischen Straflager inhaftierte Aktivistin, die immer noch ihre überzogene Strafe wegen „schweren Rowdytums“ abbüßen muss, sollte vor kurzen in ein anderes, noch isolierteres Lager in Sibirien verlegt werden – da sie in einem offenen Brief an die Medien von den unmenschlichen Verhältnissen in der russischen Gefangenschaft berichtet habe. Daraufhin wurden ihrer Familie jegliche Informationen über Tolokonnikowas Verbleib verwehrt, fast 20 Tage spekulierte man über einen plötzlichen Tod. Mittlerweile soll die junge Frau jedoch in Sibirien angekommen sein, wo sie sich allerdings erneut auf sklavenartige Arbeit bei bis zu -20°C einstellen muss.

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Die russischen Aktivistinnen von Pussy Riot (Foto: Игорь Мухин)

Die russischen Aktivistinnen von Pussy Riot (Foto: Игорь Мухин)

Im Februar 2012 geriet die Punkband Pussy Riot schlagartig in die Medien, als ihre weiblichen Mitglieder mit Strickmasken und grellen, kurzen Kleidern eine Kathedrale in Moskau stürmten und ein „Punk-Gebet“ von 42 Sekunden vor dem Altar durchführten. Was in Deutschland eher als schräger Scherz gedeutet werden würde, führte zu einem enormen Skandal in Russland, insbesondere, weil die Band während ihres Kurzauftritts schwer gegen den Staat und insbesondere Präsident Putin gewettert hatte – die Folge war eine gerichtliche Verurteilung von drei der Musikerinnen, die mit einer Haftstrafe bis zu sieben Jahren rechnen mussten.

Amnesty International, europäische Politiker, sowie unzählige Popstars bekundeten sofort ihre Ablehnung gegen das viel zu harte Urteil und protestierten für die Freilassung der Frauen, dennoch endeten sie größtenteils in Arbeitslagern mit unmenschlichen Verhältnissen.

Trotz chronischem Einspruch gegen das harte Urteil, werden die Bandmitglieder immer nur in andere Arbeitslager verlegt, ihr Protestwille bleibt jedoch stark: „Der Kampf für die Freiheit ist ein ewiger Kampf, der größer ist, als das Leben“, proklamierten sie, als nicht-inhaftierte Mitglieder von Pussy Riot letztes Jahr eine Plakatwand mit Putins Porträt anzündeten.

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Über Anne-Catherine Swallow

Geboren 1987 in Heidelberg, aufgewachsen in Paris, Diplom Kreatives Schreiben & Kulturjournalismus aus Hildesheim. Zu haben für alles, was laut, düster und böse ist.

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