Renaissance eines fast vergessenen Genres

Konglomerat Abgestorbener Bäume

Hin und wieder sah er sich dazu veranlasst, auf bis zu zwanzig Jahre alte Sounds zurückzugreifen, um das Konglomerat Abgestorbener Bäume aus der Taufe zu heben, doch so ist es dem Kölner Dark Sound Tüftler Andreas Ohle gelungen, ein fast in Vergessenheit geratenes Genre – dem des bedingt tanzbaren Industrials – wiederzubeleben. Mit „Tote Seelen“ (Youtunez/Manufaktur) begibt sich der Kopf von dem wahrscheinlich hochwertigsten Gothic-Act dieser Tage – „eXplizit Einsam“ – in einen Ring, aus dem zu entkommen nur der Tod noch zur Hilfe zu eilen vermag …

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Wenn es einen Preis für das anstrengendste, ekelhafteste, hässlichste Album des Jahres zu vergeben gäbe, „Tote Seelen“ vom Konglomerat Abgestorbener Bäume gehörte sicher mit in die Bestenliste. Denn alles, was einem einen Magendreher der besonderen Art verschafft, hat Andreas Ohle in seinem neuesten Output veredelt: eine fies gepitchte Stimme, Rhythmen, die immer eine schwindelerregende Spur „daneben“ liegen, sowie eine Atmo, in der sich Throbbing Gristle oder SPK auch heute noch wohlfühlen würden.

Tote Seelen (Konglomerat, Andreas Ohle)

Tote Seelen (Konglomerat, Andreas Ohle)

„Industrial, Noise und Electro, düstere, depressive Endzeitmusik“, so bringt sie ihr Schöpfer auf den Punkt, wenn auch ein Track wie „Ellipse“ auf den düstersten aller Dancefloors schielt, kokettiert … letztlich aber unversöhnlich bleibt. Das Konglomerat klingt wie sich der berühmt-bemühte Schlag in die Fresse anfühlt, kein Entrinnen: dieser Schmerz wird erst vergehen, dann bleiben.

In den sehr überlegt gesetzten Samples erinnert Herr Ohle und sein Konglomerat Abgestorbener Bäume an „Blood Axis“, im eigenmächtigen Rumpeln an die wohl verblichenen „Winterkälte“ und viele andere Düstereliten mehr, die der Suizid oder die Besinnung auf Versöhnliches der Szene entzogen hat. In jeder Sequenz ist diesem Ausnahmealbum anzumerken, dass hier jemand zugange ist, der es durchaus ernst meint. Und von daher dürfte die CD „Tote Seelen“ nur mit dem neuen FSK-Label, „erst ab 40“ in den Handel kommen … so viel Tod, Kälte, Ekel und Achselzucken sind nun wirklich nur den Härtesten zuzumuten, jenen Härtesten, denen Schalk, Ironie und Versöhnung im Nacken eingebrannt sind. Es ist, wie es ist – und „Tote Seelen“, ab 15. November im Handel …

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