Turbojugend entsetzt

White Lies live (in Köln)

Morgen in Frankfurt (Gibson), tags drauf in München (Theaterfabrik/Optimolwerke), am 27. November auf der Großen Freiheit 36 in Hamburg. Und gestern in Köln (Prime Entertainment), in der Live Music Hall. Die Ealinglinger White Lies sind schwer unterwegs, mit brillantem Sound und einer Laserlightshow, die den Warnhinweis an Epileptiker rechtfertigt. Doch die Stimmung kocht nicht über, wofür Band und Publikum gleichermaßen zu zichtigen sind. Frontmann Harry McVeigh hat das Charisma eines Glases Milch, die Studies im Auditorium finden das gut und gehaben sich als Mensch-Ärgere-Dich-Nicht-Püppes im falschen Spiel …

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Give the people what they want (Stephan Wolf)

Give the people what they want (Stephan Wolf)

Auf „To lose my life …“, dem Debut von 2009, entfachten die White Lies noch ein unerhörtes Potpourri an ergreifenden Melodien und entsprechenden Texten. Auf dem Nachfolger „Ritual“ (2011) ging es dann schon in die Richtung des aktuellen Albums „Big TV“, das Konsens und aufgesetzte Emotionalität im Schilde führt. Soweit die Ausgangslage. Doch wenn zwanzig Minuten eines Konzerts genügen, um genug davon zu haben, kann da was nicht stimmen …

Die Band hat an alles gedacht: an einen blitzsauberen Sound und eine optische Untermalung, wie sie nur die ganz großen Großdiskothekenbetreiber hinbekommen. Dass Harry McVeigh indes kaum in der Lage ist, sein Publikum mitzureißen, dürfte nicht allein seiner beschränkten Qualität als Rampensau geschuldet sein. Nein, es ist das Publikum, das stocksteif nicht einen Hauch Arschswing zulässt, was aus dem Konzert eine derart sterile Veranstaltung macht, dass sich die Frage nach dem Sinn einer solchen Veranstaltung zwangsläufig stellt. Wehe, es wird einander berührt, gar Schweiß hat nicht zu fließen. Gehet hin und fahret in euren VW Polos, bis euch die Sinne vergehen.

Dem sinnentfremdet hochgepitchten Missverständnis entkommen, trifft der Rezensent auf Freunde von der Turbojugend (bei Fragen bitte googeln oder so), die die White Lies vor einem knappen Jahr live auf einem niedersächsischen Bauernhof gesehen haben wollen. Und Stein und Bein schwören, dass die Band dort viel viel besser, rockiger, zupackender gewesen sei. Man trinkt sich ein paar Sprites und schüttelt die Köpfe: was für eine Band, was für ein lahmes Publikum …

White (?) Lies und ihr Publikum (Stephan Wolf)

White (?) Lies und ihr Publikum (Stephan Wolf)

Drei Tage zuvor, an gleicher Stelle – The Cult (Prime Entertainment). Vergleichsweise schwache Performance der Band, aber Besucher, die abgehen ohne Ende, schwitzen, jubeln, abrocken … Man hätte die Bands austauschen sollen … so aber – konfektionierter Pseudo-Blast, der auf sein borniertes Studi-Publi trifft. Die Welt ist eine Scheibe, und die werde ich mir jetzt noch mal reinziehen, auf meinem „Big TV“ – wofür geht man denn auch arbeiten?!

Wie auch immer, anschließend ging es dann noch in den “Sonic Ballroom”, den Frust wegschwitzen (wie hieß die Alte, die vorhin meine Wohnung verließ, und wo ist mein UK Subs Shirt geblieben?). Ach, man sieht sich … immer zweimal im Leben. Den „White Lies“ steht eine Weltkarriere zu wünschen, ihren Fans die Tagesschau, täglich gegen 8 auf ARD.

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2 Antworten auf White Lies live (in Köln)

  1. Jochen Bär sagt:

    Guten Tag Herr Wolf,

    waren Sie am Samstagabend etwa anwesend? Ich weiß garnicht, wo ich anfangen soll, aber Ihre Review ist echt daneben! Man kann nicht mal erkennen, ob Sie die Band nun gut fanden oder nicht?
    Aber geht es nach einem Tweet des Bassisten war es die beste Show seit einiger Zeit, also kann das Publikum nicht so komatös wie Sie es hier beschreiben gewesen sein! …

  2. Yvonne Wolf sagt:

    Genau das war es…

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