Herr B. sieht fern

Vampire und Zahnspangen

Dracula war für mich immer Christopher Lee. Das liegt wahrscheinlich daran, dass er mein erster Vampir war. Die anderen Klassiker wie Bela Lugosi als Dracula und Max Schreck als Nosferatu entdeckte ich erst etwas später. Gary Oldman in Bram Stokers Dracula – auch noch recht nett. Tom Cruise als Rüschenhemdvampir in Interview mit einem Vampir –schon grenzwertig.

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Herr B. recherchiert bei den Experten, Foto: Mick Baltes

Herr B. recherchiert bei den Experten, Foto: Mick Baltes

Es gibt selbstverständlich auch gute moderne Vampirfilme: Near Dark, 30 Days of Night, From Dusk Till Dawn und auch Suck (na ja, vor allem wegen Alice Cooper und Iggy Pop)

Ich kann gut mit Veränderungen leben. Knoblauch spielt keine Rolle mehr – geschenkt. Das Kruzifix ist nur noch Geometrie – nichts dagegen! Und jetzt kommt das große ABER

2008 kam der Twilight Hype rund um die romantischen Kuschelvampire für die Zahnspangengeneration. Da wurde plötzlich eine miese Mary Sue Geschichte zum Bestseller. Mit Literatur hatte diese Fan-Fiction nur gemein, dass aus Buchstaben Wörter und aus Wörtern Sätze gebildet werden.  Die Autorin ist gläubige Mormonin und ihr konservatives Weltbild brachte uns… Trommelwirbel … keusche Vampire.

Hallo? Geht’s noch. Wenn der Vampirismus für eines steht, dann für Sex, für wilden ungehemmten Sex. Keusche Vampire sind ein Witz, da könnten sich die Blutsauger auch gleich die Eckzähne abfeilen. Vampire sind Kreaturen der Nacht. Im Sonnenlicht brennen sie, aber zum Teufel, sie funkeln nicht. Lasst es uns alle gemeinsam sagen: Twilight ist großer Bockmist!

2008 ging auch True Blood an den Start. Kellnerin verliebt sich in Vampir. Das klang ganz nach einem weiteren Machwerk im Fahrwasser der Schlappschwanzvampire, aber die Serie stammte aus der Feder von Alan Ball und der hatte schließlich auch American Beauty und Six Feet Under gemacht. Das war Grund genug, der Serie eine Chance zu geben. Bereits das Intro versprach, hier geht’s nicht ums Kuscheln. Und die Serie hatte alles was eine Vampirserie ausmachen sollte – Jede Menge Blut und auch reichlich schmutzigen Sex.

Schon die Grundannahme ist klasse: Japanische Wissenschaftler haben Tru Blood, ein synthetisches Blut entwickeln. Vampire müssen sich also nicht mehr von Menschen ernähren und können sich outen. Es ist klar, dass darin aber auch eine Menge gesellschaftlichen Zündstoffs liegt, denn die amerikanische Gesellschaft ist nicht unbedingt die fortschrittlichste.

So funktionierte die Serie sehr gut als Metapher. Mit dem Vampirthema wurden auch die Diskriminierung von Schwulen und Rassismus behandelt. Es gab schöne Wortschöpfungen wie “Fangbangers” für Vampir Groupies und “V” für Vampirblut, das neben einer heilenden Wirkung auch gut als Droge funktioniert.

Die Vampire konnten sich sehen lassen. Bill Compton der Südstaaten Gentleman Vampir und Eric Northman der finstere Wikinger Vampir. Leider wurde True Blood aber immer mehr zu einer “Sookie Stackhouse im Märchenwald” Soup.

Am Anfang waren da nur die Vampire, die Gedankenhörerin  Sookie und der Gestaltwandler Sam Merlotte. Von Staffel zu Staffel werden mehr Zutaten ins mythologische Fantasy Süppchen gerührt. Mittlerweile hatten wir es schon mit einer Mänade, Gestaltwandlern, Werwölfen, Werpanthern, Geistern, Voodookram und Hexen zu tun. Zuletzt kamen noch Feen hinzu und es stellte sich heraus, dass Sookie eine Halbfee ist. Wer taucht als nächstes auf? Der Golem?

Versteht mich nicht falsch, ich mag die Serie immer noch, aber manchmal wäre etwas weniger mehr.

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Über Mick Baltes

Jahrgang 1962, studierte Politikwissenschaft und Kunst in Duisburg. Hat Spaß an Blues, Rock und gutem Songwriting. Ist Cineast und TV-Junkie. Arbeitet als Redakteur und Webdesigner.

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