Der Krupps-Frontmann im Gespräch zum neuen Album

Jürgen Engler: “Wir überraschen immer noch”

Es mussten ganze 13 Jahre ins Land ziehen, bis Die Krupps ihr neues Album “The Machinists Of Joy” veröffentlichten – ein Werk, auf dem die Gruppe nicht nur zurück zur Elektronik gefunden haben, sondern auch das vielleicht essentiellste Werk ihrer mehr als 30 Jahre umfassenden Karriere schufen. Bei aller Freude überzieht das neue Werk ein Schatten der Trauer. Denn schließlich nennen die Krupps ihren Sound auch “Metal Machine Music” – benannt nach dem gleichnamigen Album von Lou Reed.

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Volle Kraft voraus: Die Krupps (v.l. Jürgen Engler, Ralf Dörper, Marcel Zürcher) (Quelle: hardbeat)

Volle Kraft voraus: Die Krupps (v.l. Jürgen Engler, Ralf Dörper, Marcel Zürcher)
(Quelle: hardbeat)

Zwei Tage nachdem Ihr Euer neues Werk “The Machinists Of Joy” herausgebracht habt, ist Lou Reed gestorben. Ein Mann, der Dich, Jürgen, sehr beeinflusst hat…

Jürgen: Absolut! Ich war dementsprechend total geschockt, dass er uns so unerwartet verlassen hat. Reeds ganzes Schaffen, und speziell das Album “Metal Machine Music”, zog sich wie ein roter Faden durch unsere Arbeit. Die Platte war damals für mich ein richtiges Aha-Erlebnis; ich habe sie ständig gehört. Dieses Lärmgebilde war dem Punk ziemlich nahe – also jener Zeit, in der ich auch aufwuchs und meine ersten musikalischen Gehversuche unternahm. Ich war von der Grundidee des Lärmes fasziniert und wollte auch so etwas experimentelles machen. Ohne Lou Reed würde es Die Krupps in dieser Form vielleicht nie geben.

Mittlerweile seid Ihr ja selbst stilprägend für eine ganze Generation von Musikern. Würdest Du zustimmen, wenn man über Eure neue Platte sagt, dass Die Krupps noch nie so stark nach Die Krupps geklungen haben?

Jürgen: Das würde ich sogar glatt unterschreiben. Unsere Musik lässt sich immer in verschiedene Phasen unterteilen. Mit ‘Paradise Now’ ging 1997 die Crossover-Phase zu Ende, in der wir versuchten, Elektronik und Metal zu kreuzen. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich das Gefühl, dass alles gesagt wurde. Natürlich haben wir auf der jetzigen Platte auch einige Rockelemente drin, aber ich denke schon, dass dieses Album die Quintessenz unserer Karriere ist. Die Fans bekommen zum ersten Mal eine Platte von uns, die es so noch nie gab, viele aber gerne längst in dieser Form gehabt hätten.”

Warum habt Ihr dafür so lange gebraucht?

Jürgen: Nach “Paradise Now” hatten wir uns ehrlich gesagt satt. Wir waren lange Zeit auf Tour und mussten im engem Raum aufeinandersitzen. Die Luft war einfach raus, sodass wir beschlossen haben, die Band 1997 auf Eis zu legen. Als wir dann 2005 wieder zusammengekommen sind, haben wir es uns ja nicht einfach gemacht. Zwar veröffentlichten wir mit “Too Much History” eine Best-Of-Scheibe, allerdings mit alten Songs, die wir neu eingespielt haben. Dazu kamen noch einige EPs. Es gab also einen langen Vorlauf, bis es zur eigentlichen Arbeit an ‘The Machinists Of Joy’ kam. Und ich bin froh, dass wir das so gemacht.”

Hat sich die Arbeitsweise im Vergleich zu früher geändert?

Jürgen: Oh ja! Und zwar dahingehend, als dass ich wieder mit analogen Synthesizern arbeite. Anfang des neuen Jahrtausends habe ich meine ganzen alten Maschinen verkauft, weil sie ein paar Macken hatten. Ich dachte damals, dass ich sie durch Musikprogramme ersetzen könne. Nach einiger Zeit merkte ich aber, dass mir etwas gefehlt hat. Ich muss einfach an den Maschinen schrauben, um die Sounds zu generieren. Deswegen besitze ich seit 2008 wieder analoge Synthesizer. Und auf einmal hatte ich auch wieder richtig Spaß an der Musik. Die Maschinen tuckern, die Lichter blinken, der ganze Elektronikpark läuft… herrlich!

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Über Daniel Dreßler

Freier Musikjournalist und Radiomoderator aus München. Befürworter der alternativen im Allgemeinen und der elektronischen Klangkunst im Besonderen. Der Strom macht die Musik!

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