Das Methörnchen

Cro trägt Corpsepaint?

Es ist der letzte Schultag, Cro war noch nicht bekannt, ich war im Abitur-Prüfungsstress und wollte mit meinen Kumpels noch diese eine Sache erledigen: Einmal mit Corpsepaint zur Schule gehen. Wir trafen uns früh morgens mit Kajal, Lidschatten und schwarz-weißer Gesichtsfarbe. Der eine wollte mehr aussehen, wie der Sänger Nergal von Behemoth oder Gaahl von God Seed: Keine klaren Konturen; eine Maske wie schwarze und weiße Asche.  Ich malte mir schwarze Dreiecke um die Augen, einen Strich auf die Stirn und der Kinnbart musste schwarz werden, das hatte ich irgendwo gesehen.

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Foto: Markus Lauert

Foto: Markus Lauert

Dann noch die typischen Striche um die Mundwinkel, irgendwie nach unten, irgendwie zackig. Ein anderer von uns mochte es flächiger und eiferte Immortal nach. Das sah dann schon arg nach Fasching aus, aber eine Sache hatten wir alle vermieden, wir mutierten nicht zu Pandas!

Mein Abschluss war vor der Cro-Zeit, bevor es Raop gab, als das Hipstertum mit den Zipfelmützen, den sackförmigen Jacken und engen Stoffhosen noch nicht so etabliert und selbstverständlich war wie einige Jahre später. Der Super-Gau eines jeden Black Metallers ist es, albern auszusehen. Man möchte ja etwas verkörpern, man möchte Schwärze, Tod, Leid und Rebellion darstellen. Wer Corpsepaint trägt will entweder provozieren oder wirklich wie eine Leiche aussehen. Und wenn es schief geht, wenn das schwarze Leder und die Nieten an Swingerclubs erinnern, wenn die schwarz gefärbten Haare eine Tokio Hotel Referenz darstellen, und vor allem dann, wenn das Corpsepaint misslingt, sieht man schlimmer aus wie Cro: Weißes Gesicht, schwarze Augenpartie, dazu ein umgedrehtes Kreuz auf der Stirn. Ob er sich wohl selbst bewusst ist, wie nah seine Maske an der Back-Metal-Ästhetik ist?

Was war unser Ziel an diesem letzten Schultag? Wollten wir rebellieren, wollten wir Leichen sein? Beides nicht. Wir wollten Gemeinschaft ausdrücken, etwas Heikles am letzten Tag gemeinsam durchführen, bevor uns das Leben an Unis und Fachhochschulen führt. Und einen kleinen Hauch von Rebellion hatte es auch, als ich ein schwarzes T-Shirt mit weißem Totenkopf tragend, die Haare lang und offen, dicke Kampfstiefel an den wund-geriebenen Füßen und über und über mit Nieten und Armbändern behangen, in der ersten Reihe unseres Abschlussfotos hockte. Vielleicht hatte ich sogar ein wenig Ähnlichkeit mit den Schwestern und Nonnen, die hoch oben in einem Flügel meines katholischen Gymnasiums Rosenkränze beteten.

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Über Markus Lauert

Westfälischer Lehramtsstudent, der neben seinem Studium journalistische Erfahrungen sammelt. Aus dem Metal-Bereich kommend, unternimmt er immer wieder Reisen in fremde Musik-Genres. Wohl fühlt er sich ebenfalls mit Postrock, Folk und Filmmusik.

Eine Antwort auf Cro trägt Corpsepaint?

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