Bremen

Feierabendtipp: Chakuza morgen Abend im Tower

Wenn man gleich zu Beginn der Biografie von Peter davon spricht, dass er sich selbst gefunden hat, dann soll das nicht den Anschein einer kitschig-spirituellen Ich-Werdung haben. Es handelt sich um eine Selbstfindung. Nicht mehr, nicht weniger. Es ist die Befreiung von den künstlichen Posen und dem Gangstergetue, hin zu einem Menschen, der die Dinge beim Namen nennt, sich schutzlos allem entgegenstellt und letztendlich bei sich selbst angekommen ist. Nämlich dort, wo alles anfing.

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 (Foto: Lorenz Holder/ Sony)

Peter Pangerl ist Chakuza.
(Foto: Lorenz Holder/ Sony)

Durch die Scheidung der Eltern vom idyllischen Landleben in die Realität der Großstadt versetzt, beginnt Peter Pangerl, wie Chakuza mit bürgerlichem Namen heißt, schon während der Ausbildung als Koch nachts, mit einem Ohr an seiner Stereoanlage, Texte zu schreiben.

Rap gehört, dass hat er schon immer. Auf ‘Yo, MTV Raps!’ sieht er Cypress Hill, auf der Bravo Hits entdeckt er Naughty By Nature. Ohne die leiseste Ahnung, wie man einen Song aufnimmt, geschweige denn, wie man Musik macht, beginnt der Österreicher selbst zu rappen.

Er gibt sich den Namen Chakuza, lernt Big J und DJ Stickle kennen. Das Trio macht sich einen Namen – keinen guten, wie Peter in der Rückblende feststellen muss. Aufgrund musikalischer Differenzen geht das Trio bald getrennte Wege. Chakuza und DJ Stickle machen von da an als Beatlefield weiter.

2005 drücken sie Bushido bei einem Auftritt eine CD mit Beats in die Hand. Neben den Produktionen findet sich darauf auch ein Song von Chakuza. Es dauert Wochen, dann klingelt das Telefon. Mit der Zeit werden die beiden ein Teil von ersguterjunge. Der Österreicher geht mit Bushido auf Tour und ist auch als Solorapper erfolgreicher denn je.

Im Jahr 2006 veröffentlicht Peter sein erstes Mixtape. Ein Jahr später steigt er mit seinem Debütalbum ‘City Cobra’ auf Platz 10 der Charts ein. Sein harter Flow, die Überdosis an Punchlines und die markante Instrumentalisierung, machen Chakuza binnen kürzester Zeit zu einem der angesagtesten MCs.

Es folgen eine Nominierung für die MTV Music Awards und die Alben ‘Unter der Sonne’ und ‘Monster in mir’. Beide gehen direkt in die Top 10. Doch mit dem Album ‘Suchen & Zerstören 2′ endet der Höhenflug. Nach mehreren Schicksalsschlägen, radikalen Einschnitten und der Trennung von falschen Freunden und Geschäftspartnern, kehrt Chakuza nach längerer Abstinenz in die Hauptstadt zurück.

Er schließt sich ein und produziert in Eigenregie ein neues Mixtape mit dem Namen ‘Magnolia’ – bei ersten Masteringsessions mit DJ Stickle und Co-Producer Steddy wird aber klar, aus dem Mixtape soll ein neues Album werden. Immer noch Rap, aber eigenständiger und musikalischer.

Eine klare Abgrenzung zu dem inflationären Lieblosliedgut. Das sollte sich auszahlen, denn der junge Rapper hat sich frei gemacht und ist wieder dort angelangt, wo er hingehört und herkommt: bei sich selbst. Er hat die Gangster- und Straßenrapattitüden abgelegt und ist Mensch geworden.

Diese Veränderungen hört man ‘Magnolia’ mit jeder Zeile an. Der innere Kampf mit sich selbst, die dunklen Tage, die tiefen Abgründe und Schattenseiten. Aber auch die Lichtblicke, Wünsche und Träume. Kurzum, all die Erlebnisse, Eindrücke und Erfahrungen, die für den Zuhörer nachzuleben sind in den Worten eines einzigartigen Erzählers.

Am morgigen Freitag, den 15. November, ist Chakuza im Tower in Bremen zu Gast. Einlass ist ab 19 Uhr. Bis Dezembert tourt der 32-jährige Österreicher noch durch Deutschland.

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Über Emilia Gallas

Musikliebhaberin, Literaturwissenschaftlerin, freiberufliche Journalistin und Musikredakteurin aus Bremen. Elektronische Sounds sind ihr willkommen, alle anderen aber auch.

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