Tödliche Sehnsucht

Der Dortmunder Tatort: Eine andere Welt Teil 2

Nadine Petzokat wohnt in Dortmund-Clarenberg, und das sind schon die besseren Nachrichten. Zwar ist dieses Zentrum des sozialen Wohnungsbaues ganz sicher nicht das Ziel ihrer Wunschträume: der Vater, der sie abgöttisch liebt, aber mit seinem elenden Job mehr schlecht als recht die Familie ernährt, die Mutter. die in der Küche den Nachbarn die Haare schneidet, der Stiefbruder, der manchmal so nebenbei mit Drogen dealt, und ihr erster Freund, schon auf dem Weg in die Kleinkriminalität, nein, alles nichts für eine Sechzehnjährige, die Spaß haben will, Party machen und irgendwann raus sein aus ihrer Umgebung. Und so leiht sie sich die Kleider ihrer Freundin, ändert ihr Facebook-Profil und taucht ab in die bessere Dortmunder Gesellschaft, um den Aufstieg zu schaffen.

Administriere bereits ab €0,- Deine Musikschule!

WDR Tatort aus Dortmund (V.l. Jörg Hartmann (Hauptkommissar Peter Faber), Anna Schudt (Hauptkommissarin Martina Bönisch), Stefan Konarske (Polizeioberkommissar Daniel Kossik) und Aylin Tezel (Polizeioberkommissarin Nora Dalay) (© Bild: WDR/Herby Sachs)

WDR Tatort aus Dortmund (V.l. Jörg Hartmann (Hauptkommissar Peter Faber), Anna Schudt (Hauptkommissarin Martina Bönisch), Stefan Konarske (Polizeioberkommissar Daniel Kossik) und Aylin Tezel (Polizeioberkommissarin Nora Dalay) (© Bild: WDR/Herby Sachs)

Aber etwas geht schief und sie landet tot genau in jenem Statussymbol der neuen Reichen, im Phoenixsee, dessen trostlose Umgebung ihren Sturz ins Bodenlose eindrucksvoll konterkariert. An diesem Fall reiben sich die Ermittler ein wenig auf: Faber stellt die Mordszenen mit seiner Kommissarin nach  – die erstarrten Silhouetten zweier Streifenpolizisten, die die Kommissarin, unter Faber im Auto liegend, mit einem knappen „Alles dienstlich!” verscheucht, gehören zu den guten, leider dünn gesäten komischen Szenen im Film. Nach einigen Streifzügen und Verhaftungswellen in der Pseudoschickeria findet die junge Ermittlerin  heraus; vergewaltigt hat der Junge aus gutem Haus, und die beste Freundin war die Mörderin aus Eifersucht. Viel spannender, aber leider nicht sehr ausgeführt, ist der Hintergrund und die Motivation des Opfers: der Wille zum anderen, besseren Leben äußert sich nur in Party-Machen und Verliebtheit in einen Jungen, der nicht „ihrer Schicht“ angehört, und bleibt eigenartig blass. Mehr Raum nehmen die Irrungen und Wirrungen der Fahnder ein, wobei auch die Kommissarin zunehmend interessant wird, wenn sie ihren Liebhaber mit dem lapidaren Satz “Ich brauch was Neues!” in die Wüste schickt. Das junge Paar arbeitet sich einstweilen am Migrantenhintergrund und ganz normaler Eifersucht ab. Das ist sehr spielerisch gemacht, und weckt Interesse: Dennoch sollte die Drehbuchautoren aufpassen, dass die Fälle nicht unter den Befindlichkeiten der Komissare völlig in den Hintergrund geraten: die stark gezeichneten Personen drücken den Kriminalplot ein wenig an die Wand. Aber immerhin, den ersten Selbstmordversuch hatte Faber dann doch nicht realisiert, allerdings mußte ein Waschbecken dran glauben. Vielleicht schickt mir beim nächsten Wasserrohrbruch wieder ein Freund eine Nachricht: “Faber war hier!” Wie in einer ergiebigen Zeche, die immer weiter nach unten führt,  darf man gespannt sein, wie es denn nun weitergeht am kahlen Ufer des Phönixsees.

PS.: Auch bei Facebook? Dann werde Fan von amusio!


Eine Antwort auf Der Dortmunder Tatort: Eine andere Welt Teil 2

  1. Pingback: Die besten Serienintros – amusio.com

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>