Im Dutzend besser

Adel Tawil auf Solopfaden mit „Lieder“: Muss man das Rad neu erfinden?

Jetzt ist Ich + Ich nur noch Ich. Aber auch alleine macht Adel Tawil eine gute Figur mit seinem Soloerguss „Lieder“ – mehr kann man von einem Album eigentlich gar nicht erwarten. Klanglich ähneln die Kompositionen des 35-Jährigen – natürlich – denen seiner Vorgängerband mit Annette Humpe. Und das ist dann auch der Pferdefuß: Ich + Ich haben mit ihrer Musik stets polarisiert, für die einen war das Duo die Neuerfindung deutscher Musik, für andere ein Schreckgespenst im Pop-Einerlei-Gewand. Urteile, denen sich auch der Solo-Adel stellen werden wird.

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Die Evolution des Adel Tawil: "Lieder" / Foto: Universal Music

Die Evolution des Adel Tawil: “Lieder” / Foto: Universal Music

Beglückwünschen wir Adel Tawil erst einmal zu seinem Selbstbewusstsein. Denn der 35-Jährige fühlt sich erst gar nicht verpflichtet, sich künstlich von seiner Ich + Ich-Vergangenheit abzuheben. Lapidar erzählt er diesbezüglich die Geschichte von Keith Richards, dem die Kritiker vorwarfen, sein Soloalbum klänge verdammt nach Rolling Stones. Trotzdem sollte Adel Tawils erstes Soloalbum seiner Karriere natürlich keine Kopie der musikalischen Vergangenheit werden. „Lieder“ wird diesem Anspruch gerecht: Die klangliche Nähe zu Ich + Ich ist zwar unüberhörbar – schließlich war Adel Tawil bis zum Aus 2012 unverkennbare Stimme des Duos –, dennoch präsentiert sich der Berliner vor allem in seinen Kollaborationen gereifter.

„Lieder“ erfindet das Rad also nicht neu, ist aber hör- und spürbare Evolution eines Musikers. Diese fasst Adel Tawil selbst im titelgebenden Track „Lieder“ am besten zusammen. Anhand diverser Zitate aus Songtexten rekapituliert er in der ersten Auskopplung des Albums seinen Werdegang: von seinen musikalischen Vorbildern über die Zeit bei der Boygroup „The Boyz“ und die gemeinsame Arbeit mit Annette Humpe bei Ich + Ich bis eben zum heutigen Ergebnis dieses Weges. Die erfolgreiche Single ist somit Kompendium des gleichnamigen Albums.

Kollaboration ist Adel Tawils Stärke

So ganz ohne Mitmusiker kann und will Adel Tawil dann wohl aber doch nicht, so hat er sich für sein Soloalbum oftmals Unterstützung ins Studio geholt. Und das tut seiner eigenen Musik außerordentlich gut. Während die Eigenkreationen doch sehr an Ich + Ich erinnern, entdeckt Adel Tawil in Kollaborationen, etwa mit – es fühlt sich an wie Zuhause – den Schwestern Annette und Inga Humpe oder dem vieltalentierten Musiker Matisyahu, ganz andere Facetten seines Könnens.

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Über Kathrin Tschorn

Kathrin Tschorn | Freiberufliche Musikredakteurin und Lektorin, beheimatet in Berlin. Stets Musik aus den Bereichen Pop, Rock, Indie, Jazz sowie allem dazwischen auf den Ohren und eine Tastatur unter den Fingern.

Eine Antwort auf Adel Tawil auf Solopfaden mit „Lieder“: Muss man das Rad neu erfinden?

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