Hans Castrup veröffentlicht neues Album

Grenzgängige Schattenspiele

Ob sich die Bekanntheit des Malers, Fotografen, Videokünstler, Grafiker und Musiker Hans Castrup mit seinem neuen musikalischen Output „Shadowplay“ (Karlrecords, Broken Silence Promotion) schlagartig erhöhen wird, kann dem auch aufgrund seiner Band „Poison Dwarfs“ in Erinnerung gebliebenen Kunstarbeiter durchaus gleich sein. Spricht doch sein Werk eine Sprache, die vielleicht nicht jeder auf Anhieb versteht. Damit muss zu leben sein, das verführerische Momentum seiner Klangcollagen wird sich, so oder so, durchsetzen. Das Pendel schlägt von einer diffusen Avantgarde zum wohligen Ambient aus, womit dieses Album sicher mit in die MP3-Sammlung für den Urlaub aufgenommen werden sollte.

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Hans Castrups Schattenspiele (Karlrecords)

Hans Castrups Schattenspiele (Karlrecords)

Das Ehrenmitglied der St. Petersburger Künstlervereinigung „Phönix“ Hans Castrup entzieht sich mit seinen vielfältigen Arbeiten jeglicher Kategorisierung. Musikalisch bedient er sich indes weniger akademischer Recherche, wie etwa Asmus Tietchens, als vielmehr an der Fülle des scheinbar nur zufällig Zuhandenen, die er mit Unvoreingenommenheit zu strukturieren und in neue Zusammenhänge zu fügen weiß.

Field Recordings, Manipulationen, Experiment und Komposition – das alles (und noch viel mehr) bereinigt Hans Castrup um das gewollt Verstörende ebenso wie um das elaboriert Nachgedachte. Sicher, Can, Brian Eno oder ein ungewisses Gefühl von experimentellem Jazz, sind als Referenz nicht von der Hand zu weisen. Aber das Klangspektrum von „Shadowplay“ beinhaltet so viel mehr, was die Entdeckungsreise zu einer wahren Lust macht. Mit jedem Durchlauf entfalten sich Nuancen, die zuvor unerhört geblieben sind. Es ist eben diese grenzenlose Vielschichtigkeit, mit der Hans Castrup aus zunächst inkommensurabel erscheinenden Fragmenten einen konkreten Flow erschafft, der aus Hören Erleben zeugt.

Garant für Qualität: Karlrecords (Karlrecords)

Garant für Qualität: Karlrecords (Karlrecords)

Den oft bemühten Topos, einen „Soundtrack zu einem imaginären Film“ geschaffen zu haben, umschifft Hans Castrup recht elegant, indem er seinen Klangbildern eigens Kurzfilme zur Seite stellt, die wiederum ein Stimulans für das eigene Nachdenken darreichen. Ein Beispiel:
https://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=b9cEPxxV4S4

Das Geschichtete des Vorgehens Castrups droht stellenweise zu versintern, doch dann sorgt der nächste Sample, der nächste Loop, das nächste Verfahren für eine Dynamik, die das Tageslicht nicht zu scheuen braucht, wenn sich auch im Mondenschein Schattenspiele prima spielen lassen. Let’s play, homo ludens.

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