Musikalisches Kalenderblatt

Von der unsterblichen Kraft des Liedes – zum Todestag von Franz Schubert

„Fremd bin ich eingezogen, fremd zieh’ ich wieder aus“ –diese Zeilen aus dem von Franz Schubert vertonten Gedicht „Gute Nacht“ von Wilhelm Müller sind wohl allgemein bekannt. Ihre eindringliche Kraft erlangten sie erst durch die Vertonung Schuberts als erstes Lied in seinem Zyklus „Die Winterreise“. Gleichzeitig könnten sie aber auch gewissermaßen als Motto über dem Leben des Wiener Komponisten stehen, für den diese Welt beklagenswert wenig glänzende Erfolge bereit hielt und der der Nachwelt doch einen so unendlich reichen Schatz hinterlassen hat.

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Franz Schubert, Lithografie von C. Helfert nach Josef Kriehuber (Quelle: Wikimedia Commons)

Franz Schubert, Lithografie von C. Helfert nach Josef Kriehuber (Quelle: Wikimedia Commons)

Schubert wurde am 31. Januar 1797 als Sohn eines Volksschullehrers geboren. Ersten Musikunterricht erhielt er von seinem Vater. Später war unter anderen Antonio Salieri sein Lehrer. Er arbeitete jedoch zunächst als Schulgehilfe bei seinem Vater, wobei er nebenher seine Fähigkeiten als Komponist weiter vervollkommnete und seine ersten bekannten Lieder schrieb. 1818 ermögliche es ihm sein Freund Schober, sich ganz auf die Musik zu konzentrieren. Im Kreise seiner Freunde veranstalte er die berühmten „Schubertiaden“, an denen auch Moritz von Schwindt teilnahm. In diesem kleinen Kreis wurden die meisten seiner Kompositionen aufgeführt, da es Schubert nicht gelang, sich als Opernkomponist zu etablieren.

Auf dem Gebiet der Sinfonie war Wien dagegen von Schuberts großem Vorbild Ludwig van Beethoven dominiert. So wurden viele von Schuberts Meisterwerken erst lange nach seinem Tod uraufgeführt. Erst 1838 entdeckte Robert Schumann die siebte Sinfonie. Felix Mendelssohn Bartholdy führte sie in Leipzig auf. Schuberts berühmte „Unvollendete“ wurde sogar erst 37 Jahre nach seinem Tod am 19. November 1828 uraufgeführt.

Die eigentliche Domäne Schuberts war aber das Lied. Hier gelang es ihm, einen Gegenentwurf zu den Werken der Berliner Liederschule um Reichardt und Zelter zu entwickeln, die die Musik dem Text unterordnete. Schubert dagegen hatte ein anderes Konzept und führte die Dichtung durch seine Musik auf eine neue poetische Ebene.

Da die ursprünglichen Texte so in den Hintergrund traten, stand Goethe den Liedern Schuberts skeptisch gegenüber. Im Musiklexikon von Horst Seeger (Leipzig 1966) wird das Wesen seiner Liedkompositionen treffend charakterisiert: „Nicht das Pessimistische ist überwiegend und charakteristisch für Schubert, sondern vielmehr die Absicht, durch Phantasie und im Sinne poet. Realismus’ die ‚miserable Wirklichkeit’ zu verschönen.“ Die Kraft dazu haben Schuberts Lieder bis heute nicht verloren.

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