Weihnachtssongs für "Last Christmas"-Hasser

Smith & Burrows: “Funny Looking Angels”

Es ist bald wieder soweit. Lebkuchen und Spekulatius sind ja schon seit September in den Läden; jetzt machen auch bald die Christmärkte auf. Es leuchtet, alles ist in Hektik und im Stress. Bis zum 24. Dezember. Dann, so gegen 16 Uhr, wird auf einmal alles ruhig. Die Menschen sitzen zusammen, Geschenke werden ausgepackt, vielleicht hier und da noch ein Liedchen geträllert. Und wenn man dann auf die im Dämmerlicht getränkten Straßen blickt, sieht man manch verlorene Seele umherlaufen. Und “Funny Looking Angels” ihr Soundtrack.

Verlorene Seelen feiern Weihnachten: Smith & Burrows "Funny Looking Angels" (Quelle: PIAS)

Verlorene Seelen feiern Weihnachten: Smith & Burrows “Funny Looking Angels” (Quelle: PIAS)

Wer das Fest der Liebe lieber in der Kneipe verbringt, weil ihm die usselige Verwandtschaft gerade zu Weihnachten besonders auf die Nerven geht. Wer das Fest lieber mit sich und einer Flasche Hochprozentigem verbringt. Wer sich dem Geschenkewahn entziehen will, um einfach wieder auf sich selbst zurückzufallen. All jenen sei diese Platte ans Herz gelegt.

Vor zwei Jahren haben sich die beiden “best buddies” Tom Smith (Editors) und Andy Burrows (Razorlight, We Are Scientists) zusammengetan und – vielleicht auch von Wein und anderem beseelt – eine Weihnachtsplatte aufgenommen, die so herrlich traurig ist und komplett gegen den Strich geht.

Doch bei aller Hoffnungslosigkeit vermittelt “Funny Looking Angels” auch Geborgenheit. Es kann einem noch so dreckig gehen: An Weihnachten ist für jede gestrandete Seele irgendwo ein Platz – und wenn es nur die nächste Kneipe an der Ecke ist, wo dir ein etwas freundlicher als sonst dreinblickender Barmann ein Getränk hinstellt und alles Gute zum Fest wünscht.

Solche Gedanken entstehen, wenn man beispielsweise “When The Thames Froze” oder “As The Snowflakes Fall” hört. Hier mischt sich winterliche Melancholie mit der Freude des höchsten Festes des Christentum. Ein eigentümliches Gefühl.

Besonders stark wird dies, wenn Smiths wunderbarer Bariton Blacks Evergreen “Wonderful Life” anstimmt, nur begleitet von einer tröpfelnden Gitarre und einem leise vor sich hintrommelnden Schlagzeug. In diesem Song konzentriert sich die gesamte Einsamkeit.

Und dennoch: Bei Smith und Burrows ist nicht alles grau und trist. Und nach jedem Winter kommt der Frühling, der auch dem melancholischstem Wesen ein Lächeln ins Gesicht zaubert. Fürs erste jedoch mögen sich all diejenigen an dieser Platte ergötzen, die Enge in der Brust fühhlen ob der künstlichen Weihnachtsglitzerwelt und dem ewigen “Last Christmas” aus allen Gassen.

Da wird einen warm ums Herz. “When The Thames Froze” in einer wunderbaren Studio-Version.

PS.: Auch bei Facebook? Dann werde Fan von amusio!

Über Daniel Dreßler

Freier Musikjournalist und Radiomoderator aus München. Befürworter der alternativen im Allgemeinen und der elektronischen Klangkunst im Besonderen. Der Strom macht die Musik!

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>