“Papa, ich will ein Kind von dir!”: Ghost live in Hamburg, 20.11.13

Ihr habt tatsächlich den Live-Auftritt von Ghost in Hamburg verpasst? Vollkommen inakzeptabel, na los, auf die Knie und betet für eure Sünden, die ihr aber eigentlich nur gutmachen könnt, in dem ihr euch die restlichen Deutschland-Shows von Papa Emeritus II und seinen kleinen Hilfsghouls anschaut.

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Unverkennbar: Papa Emeritus II von Ghost (Foto: Anne Swallow)

Unverkennbar: Papa Emeritus II von Ghost (Foto: Anne Swallow)

Mit Schwaden des Weihrauchs wurde am Mittwoch Abend die Hamburger Markthalle eingenebelt, Kerzen schimmerten durch die Dunkelheit und zu dem opulenten Gregorian-Chor von „Infestissumam“ nahm die schwarze Messe ihren Lauf. In ihren düsteren Umhängen mit vermummten Gesichtern und Pestmasken versammelten sich die fünf anonymen Musiker, um die Menge für Papa Emeritus II anzuheizen und der Teufelspapst ließ auch nicht lange auf sich warten.

Voller Charm und Eleganz dirigierte er wie immer zu „Per Aspera Ad Inferi“ sein Publikum aus Jüngern und faszinierte mit seiner bittersüßlichen Musik, die im schrägen Kontrast zu der düsteren Erscheinung stand: Wie 80er Jahre Pop auf Satan getrimmt, wirken die zwei bisher erschienenen Hitalben der noch recht jungen Band, wobei die Live-Versionen der Songs doch um einiges heavier und rotziger ausfielen, als die steril-präzisen Albumtracks.
Dennoch wurde nicht wie wild das Haar geschüttelt, lediglich die Nameless Ghouls an Gitarren und Bass gönnten der Show einen Metalflair, Sänger Papa Emeritus II hingegen schreitete ohne auch nur eine überflüssige Geste über die Bühne und setzte hundertprozentig auf die Wirkung seiner imposanten Ausstrahlung. Auf den starren Blick durch die weiß-blauen Kontaktlinsen. Dass das „Here Comes The Sun“-Cover in dem Outfit mächtig bizarr daherkam, ist klar, dennoch feierte die Menge jede Sekunde des Sets.

Ghost in der Markthalle (Foto: Anne Swallow)

Ghost in der Markthalle
(Foto: Anne Swallow)

Die brillant überspitzte Inszenierung der Schweden scheint einfach überall auf der Welt zu funktionieren und gab außerdem dem ein oder anderen die Möglichkeit ganz laut ungestraft „Papa, ich will ein Kind von dir!“ zu brüllen. Mit dem chorlastigen „Monstrance Clock“ riefen Ghost dann noch einmal zur allgemeinen Orgie auf, bevor sie nach 16 Songs die heilige Messe beendeten und ihre Fans weiterhin mit langen Spekulationen zurückließen, wer sich denn nun letztendlich hinter den sechs Maskenmännern verbirgt. Aber gerade dieses Geheimnis macht Ghost ja so spannend.

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Über Anne-Catherine Swallow

Geboren 1987 in Heidelberg, aufgewachsen in Paris, Diplom Kreatives Schreiben & Kulturjournalismus aus Hildesheim. Zu haben für alles, was laut, düster und böse ist.

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