Electroclash aus der Hauptstadt

Berliner Band Lia & Gasher: „Er ist der digitale Part, ich eher Fleisch und Blut“

Ihr habt keine Band. Woher kommt also eure Musik?
Lia: (lacht) Aus der Dose.
Gasher: Die Beats produziere ich größtenteils am Computer. Auf der Bühne habe ich oft noch einen Microkorg-80er-Jahre-Synthesizer und ein Drum-Pad. Die meisten Sachen sind also sehr elektronisch. Wir arbeiten aber auch mit Gitarre, Bass oder Klavier.

Ihr habt in kürzester Zeit zwei EPs veröffentlicht, das ist ein beachtlicher Output. Wenn ihr Songs erschafft, wie kann man sich den kreativen Prozess dahinter vorstellen?
Gasher: Bei unserem ersten Song hatte ich noch einen Beat von einem älteren Projekt, den ich weiter ausgebaut und testweise Lia geschickt habe…
Lia: …und ich habe dann Text und Melodie beigesteuert. Da ich gerade Liebeskummer hatte, waren sie eher traurig.
Gasher: Das Lied haben wir dann auch gleich aufgenommen und dabei gemerkt: Hui, das funktioniert mit uns ja reibungslos. Lass uns gleich noch eins machen!
Lia: Meistens bastelt Gasher zuerst die Beats am Computer, mit den Texten wechseln wir uns ab.
Gasher: Da kann man uns ganz gut unterscheiden.
Lia: Die Texte von Gasher sind quasi witzig…
Gasher: (lacht) Quasi?
Lia: …und meine eher melancholisch.

Die EP "liaYOUn 2" von Lia & Gasher ist ab sofort erhältlich

Die EP “liaYOUn 2″ von Lia & Gasher ist ab sofort erhältlich

Statt eines Albums habt ihr aus „liaYOUn“ zwei EPs gemacht und die relativ schnell hintereinander veröffentlicht.
Gasher: Wir haben uns dafür entschieden, weil wir häufiger live spielen wollten. Gerade wenn man im Internet Musik veröffentlicht, gibt es sehr wenige Leute, die zwölf oder 14 Songs wirklich durchhören. Bringt man das häppchenweise raus, haben die Zuhörer auch die Möglichkeit, darauf zu reagieren. Und wir können diese Kritik wahrnehmen und verwerten…
Lia: …was wir auch gemacht haben.

Ihr experimentiert viel mit verschiedenen Stilen. Eigentlich hört sich jedes Lied anders an. Wie kommt es zu dieser extremen Bandbreite an Sounds?
Gasher: Da gibt es schon einen roten Faden. Aber der Einfluss vieler verschiedener Stile kommt sicherlich daher, dass wir auch privat sehr unterschiedliche Musik hören.
Lia: Ich höre elektronische Musik, Tango, Salsa, Blues und sogar Country. Ich finde es gut, wenn sich das auch in unserer Musik widerspiegelt. Wir machen ja auch Elektroclash: Also, alles clasht zusammen.

„Standby Only“ und „Dear Mr. Boss“ thematisieren den Druck der modernen Welt. Zwei von fünf Songs eurer aktuellen EP, das ist schon auffällig. Warum dieses Thema?
Gasher: Es gibt heutzutage keine Sklaven mehr, aber stattdessen andere Formen der Sklaverei und denen unterwirft man sich manchmal, ohne dass es einem bewusst ist. Mit beiden Songtexten will ich diese Thematik bewusst machen.
Lia: Es hat aber auch etwas mit unserer Vorstellung von uns als Gruppe zu tun. Gasher ist eher der technische, virtuelle, digitale Part – wie es in „Standby Only“ vorkommt. Ich bin eher Fleisch und Blut, vielleicht auch der spirituelle Teil der Gruppe, wie man bei „Wild Dreams“ raushört: frei sein, in der Natur sein, mit anderen Menschen verschmelzen.

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Über Kathrin Tschorn

Kathrin Tschorn | Freiberufliche Musikredakteurin und Lektorin, beheimatet in Berlin. Stets Musik aus den Bereichen Pop, Rock, Indie, Jazz sowie allem dazwischen auf den Ohren und eine Tastatur unter den Fingern.

Eine Antwort auf Berliner Band Lia & Gasher: „Er ist der digitale Part, ich eher Fleisch und Blut“

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