Musikalisches Kalenderblatt

Meisterwerk mit Startschwierigkeiten: Robert Schumanns Violinkonzert

Auch musikalische Meisterwerke haben oft ihr ganz eigenes Schicksal. Ein besonders spannendes Beispiel dafür ist Robert Schumanns Violinkonzert in d-Moll. Es wurde erst 84 Jahre nach seiner Entstehung am 26. November 1937, also heute vor 76 Jahren, uraufgeführt. Obwohl es sich um ein wirkliches Meisterwerk handelt, hatte es das Violinkonzert vor- und nachher aufgrund außermusikalischer Umstände schwer, sich durchzusetzen.

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Robert Schumann, Zeichnung von Adolph Menzel, vor 1856 (Quelle: Wikimedia Commons)

Robert Schumann, Zeichnung von Adolph Menzel, vor 1856 (Quelle: Wikimedia Commons)

Geschrieben wurde es dagegen geradezu in einem kreativen Rausch. Mit der Komposition reagierte Schumann auf eine Anregung des berühmten Geigers Joseph Joachim. Und auch die erste Begegnung mit Johannes Brahms fällt in die gerade einmal zwei Wochen umfassende Entstehungszeit des Violinkonzerts im Herbst 1853.

Dann aber begannen die Schwierigkeiten. Die für den 27. Oktober 1853 geplante Uraufführung platzte, weil das Düsseldorfer Konzertkomitee auf einer Aufführung von Beethovens Violinkonzert bestand. Auch eine mit Joachim anvisierte Aufführung in Hannover kam 1854 nicht zustande. Nach Schumanns Tod entschieden sich seine Witwe Clara Schumann und Joseph Joachim dafür, das Konzert erst einmal nicht zu veröffentlichen. Joachims Erben gaben das Material dann schließlich an die Preußische Staatsbibliothek zu Berlin.

Hier wurde es erst in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts auf Initiative zweier Großnichten Joachims wieder aufgespürt. Diese beiden in England lebenden Geigerinnen hatten angeblich eine spiritistische Begegnung mit den Geistern von Schumann und Joachim, die sie dazu aufforderten, das Konzert aufzuführen. In der Folge kam es am 26. November 1937 zur Uraufführung von Schumanns Violinkonzert.

Der Solist war Georg Kulenkampff, die Berliner Philharmoniker wurden von Karl Böhm geleitet. Allerdings wurde diese Konzertveranstaltung von den Nazis für propagandistische Zwecke instrumentalisiert, so dass das Konzert in späteren Jahren auch mit dieser Altlast zu kämpfen hatte. Hinzu kam, dass man Schumanns Spätwerk allgemein mit seiner 1854 erfolgten Einweisung in die Nervenheilanstalt in Bonn-Endenich in Verbindung brachte.

Zwar führte Yehudi Menuhin das Konzert schon im Dezember 1937 in den USA auf, es dauerte aber noch bis in die 1970er Jahre, bis das Konzert im Bewusstsein der musikalischen Öffentlichkeit allmählich rehabilitiert wurde. Heute kann man auf mehrere großartige Einspielungen zurückgreifen und im Konzertsaal hat dieses Meisterwerk inzwischen auch seinen Platz gefunden.

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