Lauwarm bis heiss

TV Total startet nach langsamem Anlauf durch

Stefan Raab ist inzwischen schon so etwas wie ein Wiedergänger in der weiten TV- Landschaft. Man wird das ungute  Gefühl nicht los, Raab wohin man blickt:  Raab auf der Straße, Raab im Wok, Raab  im Wasser, und last but not least Raab im Studio. Letzteres gesehen bei TV Total, und der Beginn war eine circa 20-minütige Folter zu dem Thema wie kombiniere ich peinliche Fernsehausschnitte und Pannen zu einer möglichst langen Collage von mittlerem bis keinem Unterhaltungswert. Dabei waren einige der nicht bearbeiteten oder mehrfach wiederholten Pannen durchaus witzig; Angela Merkel, die von Horst Seehofer beim Parteitag mit eindeutiger Handbewegung von der Bühne gewedelt wird, einen überdimensionierten Blumenstrauß noch in der Hand.

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Alexandra Neldel auf der Biennale 2008 (© Andreas Waschk)

Alexandra Neldel auf der

 

Gregor Gysis mangelnde Körpergröße im direkten Vergleich und zum hundertsten Mal Waldi Hartmanns Aussetzer bei seiner Jokerfrage . Das ganze wurde von Stefan Raab mehr schlecht als recht durch eine Moderation zusammengehalten, die über weite Strecken matt und lustlos wirkte. Macht er zu viel – oder hat man ich einfach satt?,  durfte man sich fragen. Absoluter Tiefpunkt der Show war der Auftritt eines sogenannten Comedians – den Ehrentitel Komiker verweigere ich hier schlicht! – Christian Kokol, der kam, rumstand und fast ausschließlich Werbung für sein Buch machte. Kein einziger wirklicher Gag, und der wahrscheinlich einzig freiwillig lachende Zuschauer wurden gleich mehrmals gezeigt. Doch als man glauben konnte, schlechter kann es nicht mehr werden und lieber ins Bett als das – schien Stefan Raab mit dem Auftritt von Alexandra Neldel zu neuem Leben erwacht. Die durch Serienerfolge wie “Die Wanderhure” bekannt gewordene Schauspielerin wurde als die “Verbotene Frau”, einer heute über uns hereinbrechenden Schmonzette (Scheich liebt Frau aus dem Westen) zur Zielscheine seines wohldosierten Spotts. Da er dabei das ganze Genre der  Mehrteiler gezielt mit aufs Korn nahm, war das witzig. Noch witziger, da man zunehmend den Eindruck gewinnen konnte, Frau Neldel kapierte einige der Spitzen schlicht nicht und erzählte in vollem Ernst die Filmhandlung, die von Raab entsprechend bissig kommentiert wurde. Und so wurde dank der Wanderhure der Abend doch noch sehr amüsant. Da blitzte auf, was Raab einst ausgemacht hatte – ein böser, fast anarchischer Witz, der sich vor dem reinen Klamauk allerdings zusehend verflüchtigen scheint. Weiter so -  dann bitte mehr davon.

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