Tulpen nach dem Todesstoß

Ein Fest für Freunde des subtilen Thrills – House of Cards

Im Nachtprogramm, am Sonntagabend, wenn alle Fernsehshow – Liebhaber und Krimifreunde sich bereits ins Bett begeben haben, keine Gefahr mehr besteht, dass vielleicht zu viele es sehen könnten, versteckt der Sender Sat 1 einen Politthriller allererster Güte. „House of Cards“ ist in mehr als einer Hinsicht etwas Besonderes: Es ist die erste Serie, die nicht für einen US-Fernsehsender, sondern für die Video-on-Demand-Plattform Netflix produziert wurde. Die US-Version eines britischen Zweiteilers von 1990 wartet mit einem Staraufgebot auf, das auf den ersten Blick bescheiden und im unauffälligen Zweireiher daherkommt. Aber das Spiel um Macht, Einfluss und Intrigen in Washington ist im wörtlichen wie im übertragenen Sinn ganz großes Kino.

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Kevin Spacey 2008 auf der Comic Con San Diego (© pinguino k)

Kevin Spacey 2008 auf der Comic Con San Diego (© pinguino k)

Francis „Frank“ Underwood ist der Fraktionsführer der Demokraten im Kongress. Ein Königsmacher, doch sein König, der neue Präsident, entlohnt ihn nicht entsprechend. Und für Frank trifft das Sprichwort zu, „Rache ist ein Gericht, das man kalt genießen soll.“ Er bleibt, er macht sich weiter unentbehrlich, intrigiert aber mit Elan. Kevin Spacey spielt das mit wirklich mörderischem Understatement: immer einen Seitenblick ins Publikum, erläutert er dem Zuschauer, wie es ihm wirklich geht, wenn er reihenweise Leute umgarnt oder mit Drohungen gefügig macht. Beispiel gefällig? Der Abgeordnete muss mitten in einer wichtigen Kabinettsitzung in seinen Wahlbezirk zurück. In einer Kirche hält er bei einer Trauerfeier eine Brandrede und bewegt die Zuhörer tief, als er seines verstorbenen Vaters gedenkt. Während alle mit den Tränen kämpfen. blickt er voll in die Kamera, sagt über seinen Vater: „Er stand eigentlich nur rum. Er hat nur Platz weggenommen.“ Dass hinter seinen Worten familiäre Tragödien lauern, begreift man erst später. Denn wie alle Treibenden ist er ebenfalls Getriebener. Gleich subtil läuft das bei seiner Frau (Robin Wright) ab, die sympathisch und mit emotionaler Wärme zu handeln vorgibt. Dann feuert sie langjährige Mitarbeiter mit einer Kälte, dass der Rand des Bildschirms zu gefrieren scheint. Das andere Personal ist ebenfalls psychologisch interessant geschildert, bis in die kleinsten Nebenrollen grausam gut besetzt. Und die Mechanismen der Politik, die Menschen verschleißt wie Ressourcen, werden so nebenbei ebenfalls enthüllt. Hier sollte man riskieren, am nächsten Morgen etwas verschlafen zu wirken: „House of Cards“ ist zu gut, um auch nur eine Folge zu verpassen.

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