Bushido: Hass-Kommentare und wer sind eigentlich Dimmu Borgir?

„Haste noch nie was von Samplen gehört, du dumme langhaarige Schwuchtel?“, ist unter einer der unzähligen Verlinkungen des gestrigen Artikels zu lesen und schon geht sie los, die ewige Schlammschlacht zwischen Hip Hop-Fans und Metallern.

Administriere bereits ab €0,- Deine Sprachschule!

Komischer Look, ausgefeilte Musik: Dimmu Borgir (Quelle: Pressefoto Nuclear Blast)

Komischer Look, ausgefeilte Musik: Dimmu Borgir (Quelle: Pressefoto Nuclear Blast)

Natürlich berichteten auch Metal Hammer oder BILD über die Tatsache, dass unser aller Bushido schon zum zweiten Mal den Hintergrundchor von den norwegischen Mainstream-Black-Metallern Dimmu Borgir „ausgeliehen“ hat, neuerdings für seinen Diss-Hit „Leben und Tod des Kenneth Glöckler“.

Amüsant zu verfolgen sind die Reaktionen der jeweiligen Leser, die sich natürlich je nach Portal auf Bushidos Seite des Skandals oder eben der von Dimmu Borgir (oder Metalbands insgesamt) befinden.
Dass Dimmu Borgir doch froh sein sollen, wenn sie als „Hinterwäldlerband“ von einem so „fetten deutschen Rapper“ aufgegriffen werden, und außerdem sei das kein Diebstahl, sondern „Samplen“.

Momentsche, Kinners! Erst einmal ist hier zu betonen, dass Dimmu Borgir keine Band ist, die in Onkel Manfreds Kneipe jeden dritten Sonntag im Monat für Beschallung sorgen darf. Die seit 1993 aktiven Norweger zählen neben Cradle Of Filth zu den größten Bands der Black Metal Szene und sind sogar derart erfolgreich, dass ihnen chronisch Ausverkauf vorgeworfen wird. Mit 1,2 Millionen Fans auf Facebook stehen sie auf der Likes-Skala übrigens noch über Bushido, was, wie ich offen zugebe, jedoch kein gutes Argument ist, da Dimmu international bekannt sind, während Bushido es geschafft hat, all seine Likes aus Deutschland zu bekommen – was in der Tat eine saubere Leistung ist.

Doch egal, es geht hier auch nicht um darum, wer nun „besser“ ist, die beiden Acts sind derart verschieden, dass solche Diskussionen ins Leere führen, umso trauriger sind deshalb die Kommentar-Battles, in denen es beispielsweise darum geht, dass Rapper alles recht der Welt hätten, Samples zu klauen und insbesondere bei „Langhaarfritzen“, die ihre Choreinlagen eh nur “innerhalb von 2 Minuten auf dem PC zusammengebastelt” hätten.

Dass Hip Hop viel von Samplen lebt, ist Fakt, dennoch gibt es schlicht und einfach Copyrights – weder darf ich Heino singen und behaupten der Song sei von mir, noch darf ich wie Guttenberg Doktorarbeiten plagiieren, meinen Namen unter eine abgekupferte Geschichtshausaufgabe setzen oder Fotos ohne zu fragen auf meiner Seite verwenden.
Und was die Choreinlagen von Metalbands angeht – die sind echt. Im Metal ist alles echt, auch wenn dafür mal ein Orchester in den Proberaum gequetscht werden muss. Und aus dem Grund hätte ein simples Telefonat nach Norwegen schon gereicht, um die Bredouille zu vermeiden und anständig zu „samplen“ statt zu „klauen“.

Andererseits wär’s dann keine Schlagzeile gewesen. Gut gepokert, Kinners, gut gepokert…

Zum Abschluss noch eine kleine Ladung Dimmu Borgir – die Herren um Shagrath sehen zwar bisschen lächerlich aus und natürlich darf man das Schwarzgehabe nicht zu ernst nehmen, dennoch bedarf es viel harter Arbeit derart ausgefeilte Songs zu komponieren und für ein Orchester MIT Chor zu konzipieren.

PS.: Auch bei Facebook? Dann werde Fan von amusio!

Über Anne-Catherine Swallow

Geboren 1987 in Heidelberg, aufgewachsen in Paris, Diplom Kreatives Schreiben & Kulturjournalismus aus Hildesheim. Zu haben für alles, was laut, düster und böse ist.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>