Back To Front-Tour

Peter Gabriel bringt “So” erneut nach Deutschland

Aufgrund des epochalen Echos auf die diesjährige „Back to Front – So performed live“ -Tour legt Peter Gabriel nach: mit fünf Zusatzkonzerten, wieder in jener Besetzung, die das Über-Album „So“ 1986 einspielte. Und wieder müssten sämtliche Superlative herhalten, um für diese fünf Spektakel die Werbetrommel zu rühren, wären sie nicht Selbstläufer, bei denen es letztlich nur darum geht, sich schnellstmöglich Tickets zu sichern. Gehen wir stattdessen kurz der Frage nach, warum Peter Gabriel vor allem auf der Bühne scheinbar immer besser und begehrenswerter wird.

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Welcome to "So": Peter Gabriel (petergabriel.com)

Welcome to “So”: Peter Gabriel (petergabriel.com)

Seine Stimme war schon immer unverwechselbar (auch wenn sich Phil Collins als Nachfolgesänger bei Genesis stark an Peter Gabriel orientierte). Seine Bühnenpräsenz ist seit jeher spektakulär. Seine Musik indes, und hier liegt dann doch wieder der Hase im Pfeffer, hat mit den Jahren sowohl an kompositorischer Prägnanz als auch allgemeinverständlicher Emotionalität zugelegt. Wenn das musikalisch entschlackte, direkt ins Herz seiner Zuhörer abzielende Songmaterial dann noch von einer dramaturgisch perfekt ausgeklügelten Lightshow eingekleidet wird und sich Peter Gabriel als ein Zeremonienmeister von beinah überirdischer Präsenz seinem Publikum zu erkennen gibt, dann dürfte sich die Frage nach der immensen Nachfrage bereits geklärt haben.

Zu Beginn seiner Solo-Karriere (ab 1977) ging es Peter Gabriel zunächst vor allem um die Befreiung vom Korsett des theatralischen Retro-Pomps im Prog-Rock. Live rückte nun eine zukunftsweisende Bühnentechnik (Lichtinstallationen, Spiegeleffekte etc.) in den Vordergrund. Auch die Musik wurde zunehmend experimenteller und ebnete so manchem zuvor noch unerprobten Sound den Weg zum heutigen Studio-Standard. Im Ergebnis stehen fünf unbetitelte Alben, die immerhin drei veritable Hits (und heutige Klassiker) abwarfen: „Solsbury Hill“, „Games Without Frontiers“, „Biko“.

Als mutigem Konzeptkünstler mit ausgeprägtem Faible für neuartige Präsentationsformen lag es nahe, dass Peter Gabriel sich auch intensiv mit dem Medium des (Musik-) Videos auseinandersetzte. 1986 kam dann alles zusammen: Mit „So“ schrieb er nicht nur sein bis heute bestes Album (das auf der momentanen Tour im Mittelpunkt steht), sondern schrieb sich mit dem Video zu „Sledgehammer“ in die Geschichtsbücher der Videokunst ein. Von nun an war Peter Gabriel wieder eine ganz große Nummer, seiner Zeit stets einen Schritt voraus und dennoch ein Dauerbrenner auf sämtlichen Kanälen.

Let there be lights (petergabriel.com)

Let there be lights (petergabriel.com)

Im Laufe seines Wirkens als Weltstar und Megaseller erweiterte er seinen musikalischen Horizont um weitere Ingredienzien („Weltmusik“ im Rahmen der von ihm gegründeten „Real World Studios“), als Mensch und Marke changierte er zwischen technischer Innovation und Benefiz-Engagement. Wenn er sich auch mit Veröffentlichungen unter eigenen Namen zurückhielt, so blieb er ständig präsent. Ein Tausendsassa, der bei allem, was er unternahm stets den Eindruck erweckte, genau zu wissen, was und warum er etwas unternimmt.

Und heute? Heute gefällt er sich in erster Linie als weiser Weichspüler von gecovertem Songmaterial („Scratch My Back“) oder feiert seine eigene Leistung („So“). Mit gefühligem Schmusesound, gerne ins Schwülstige abdriftenden Arrangements und dem Wissen, dass er damit genau den Geschmack seines zahlenden Publikums trifft. Doch es ist davon auszugehen, dass Peter Gabriel auch mit dieser mitunter meditativ anmutenden Performance einfach nur das tut, wonach ihm der Sinn steht: nach vollmundigen Streicherflächen, nach instrumentalen Preziosen, gefolgt von Momenten der Ruhe und Innigkeit. All das natürlich eingekleidet in eine atemberaubende Lightshow, doch die ist bei Peter Gabriel nun wirklich nichts Neues. Die während der „So“- Tour dargebotenen Arrangements der Originalversionen dagegen schon. Wetten, dass alsbald ein opulent ausgestatteter Mitschnitt erhältlich sein wird?

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