Foppen, Poppen, Weiterhoppen - H.P. Baxxter im Gespräch

Scooter: “Erwachsen werden wir nie!”

“Hyper Hyper” – kaum eine anderer Titel beschreibt so treffend das Lebensgefühl der 1990er Jahre. Gleichzeitig war dieser Song der Startschuss zur beispiellosen Karriere des Euro-Dance-Projektes Scooter. Euro-Dance gibt es ja eigentlich nicht mehr – Scooter schon. Und das seit genau 20 Jahren. Während andere Kirmes-Techno-Acts bereits das Handtuch geworfen haben, füllen die Hamburger Jungs um Frontmann H.P.Baxxter weiter die Hallen. Was ist also dran am Erfolgsrezept von Scooter? Amusio geht zusammen mit H.P. auf Spurensuche.

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H.P.Baxxter, Frontmann von Scooter (Foto: Radiat-r)

H.P.Baxxter, Frontmann von Scooter
(Foto: Radiat-r)

Ihr habt es geschafft: Die zweite Dekade ist voll, und noch immer haben die Leute von Euch nicht genug. Wie erklärt ihr Euch das?
H.P. Baxxter: Wir sind uns einerseits immer treu geblieben, haben andererseits aber auch ein paar neue Wege eingeschlagen, Jumpstyle beispielsweise. Anscheinend hat das recht gut funktioniert.

Wie geht es Euch nach 20 Jahren Scooter und unzähligen Auftritten. Spürt man da mittlerweile die Knochen ein bisschen mehr als noch zu Beginn?
H.P. Baxxter: Ich bin mittlerweile fitter als noch vor 15 Jahren, weil ich viel mehr Sport als früher treibe. Deshalb gleicht es sich ein wenig aus. Außerdem führe ich unter der Woche ein ruhiges Leben und kann Abende auch gerne mit einer Tasse Tee und einem guten Film verbringen. Ohne den Ausgleich ginge das garnicht.

Angefangen hat alles mit “Hyper Hyper”. In diesem Song hast Du jede Menge DJs und Techno-Act aufgezählt. Wie seid ihr auf die Idee gekommen?
H.P. Baxxter: Inspiriert wurden wir von Steve Mason, der damals auf BFBS moderierte und es sich zur Gewohnheit machte immer irgendwelche Posses zu grüßen. Da kam ich auf die Idee, alle DJs zu grüßen, die wir damals gut fanden.

Das Gefühl beruhte allerdings nicht auf Gegenseitigkeit. Später habt ihr habt ja mit “Sunrise”, das ihr unter dem Namen Ratty veröffentlicht habt, die ganze euch schneidende Trance-Szene gefoppt, weil sie nicht wussten, dass ihr dahinter steckt…
H.P. Baxxter: Ja. Wahrscheinlich wäre der Erfolg nicht so groß gewesen, wenn wir die Nummer unter Scooter herausgebracht hätten. Früher haben uns alle mehr oder weniger gehasst, das hat sich mittlerweile gelegt. Ich glaube, wir haben das ganz schlau gemacht. Das Stück wurde hoch gelobt. Mit Scooter als Interpret hätten es wahrscheinlich wieder alle nur belächelt.

Wer Eure Vergangenheit kennt, weiß, dass ihr  als Celebrate The Nun ein bisschen waviger unterwegs wart. Wie betrachtet ihr heute diese ersten musikalischen Gehversche?
H.P. Baxxter: Es war eine super Erfahrung. Wir haben erste Luft in der Musiklandschaft geschnuppert. Und dadurch, dass wir damals einfach keinen Erfolg hatten, haben wir jetzt noch immer im Hinterkopf wie es ist, ziemlich weit unten zu sein. Wir haben gemerkt, dass es eigentlich immer wieder bergauf geht, auch wenn wir eine Karriere damals schon abgeschrieben hatten.

Mittlerweile seid ihr ja auch schon Thema in den Feuilletons, die in Euren Songs und Texten mehr zu lesen vermögen…
H.P. Baxxter: Die plakativ in den Raum gestellten Statements beinhalten ja auch immer Andeutungen von irgendetwas, und jeder findet da seinen Interpretationsspielraum. Früher hätte man gesagt: “das ist alles Schwachsinn”. Aber das hat sich abstrahiert. Die Leute können sich unbeschwert überlegen, was es bedeutet.

Überlassen wir die Interpretationen den anderen. Dennoch: “The Chase is better thant the catch”, “It’s nice to be important, but it’s more important to be nice” etc.pp… Wie kommt man auf so etwas?
H.P. Baxxter: Da kommen meist ganz viele unterschiedliche Dinge zusammen. Manchmal lese ich etwas, schnappe irgendwelche Gespräche auf oder sehe etwas im Fernsehen… Das dann auseinander gerissen und wieder zusammen gesetzt ergibt unsere Texte.

Auseinanderreißen und neu zusammensetzen. Da wird jeder Akademiker gleich das post-moderne Element in Eurer Arbeit erkennen. Ihr nehmt ja auch Versatzstücke alter Songs und baut sie in Eure Tracks ein. Seid ihr also eine post-moderne Popgruppe? (um auch mal philosophisch zu werden)
H.P. Baxxter: Wir waren mit unserer Musik bzw. dem sampeln anderer Songs vor unserer Zeit. Wenn man sich die aktuellen Charts ansieht wird einem klar dass sich viele der erfolgreichsten Acts an früheren Hits bedient haben.

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Über Daniel Dreßler

Freier Musikjournalist und Radiomoderator aus München. Befürworter der alternativen im Allgemeinen und der elektronischen Klangkunst im Besonderen. Der Strom macht die Musik!

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