Offsprings “Days Go By”: ein fauler Kompromiss

Mit ihrem Album „Days Go By“ (Columbia/Sony Music 2012) hat die kalifornische Band The Offspring um Dexter Holland eine Gratwanderung versucht. Sie ist letztlich gescheitert. Ungefähr die Hälfte der Songs soll chartkompatibel sein, die andere Hälfte adressiert die alte Fangemeinde aus gemeinsamen Skate-Punk-Tagen in den späten achtziger und neunziger Jahren. Ein fauler Kompromiss. Denn dass so etwas beim harten Kern der Fans ankommt, ist nahezu ausgeschlossen. Das zeigt schon allein der fast einmütige Verriss der Single-Auskopplung „California Cruising“ im Netz.

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Cover “Days Go By”. Quelle: Sony Music

Natürlich ist der ewige Punk, der noch mit Ende 40 seine Aggressivität nach außen kehrt, auch nicht eben glaubwürdig. Insofern sollte auch einer alternden Skate-Punkband wie The Offspring (zu deutsch „Nachkommen“) eine gewisse Weiterentwicklung zugebilligt werden. Schade ist allerdings, dass gerade die chartkompatiblen Songs auf dem Album lustlos und uninspiriert wirken. Doch der Reihe nach.

„Days Go By“ steigt mit zwei schnellen, harten Songs („The Future Is Now“ und „Secrets From The Underground“) ein, die die alte Bandtradition hoch halten. Der Titelsong läutet dann den weniger harten, leider aber unmotivierten Mittelabschnitt des Albums ein. Dazu gehören „Turning Into You“, „Hurting As One“, die bereits erwähnte Single-Auskopplung „Cruising California“ und „All I Have Left Is You“. Während der Titelsong „Days Go By“ und die beiden folgenden Stücke einfach nur langweilig sind, ist „Cruising California“ ein Ärgernis. Die Band versuchte den Allerwelts-Sommer-Song mit Ironie zu erklären. Die Erklärung scheitert jedoch an der Realität der Single-Auskopplung des Stückes. Die folgende Ballade „All I Have Left Is You“ ist so nichtssagend, dass man fast versucht ist, das Hören des Albums abzubrechen.

Doch dann kommt „OC Guns“. Mit seinen Ska-Elementen knüpft es an alte Traditionen der Band an, inhaltlich geht es um das Gang-Leben in Orange County, der Heimat der Band südlich von Los Angeles. Die Jungs um den 47-jährigen Holland leben also doch noch! „Dirty Magic“ ist ein neu eingespieltes Stück von 1992, „I Wanna Secret Family (With You)“ ist dynamischer, schneller Poppunk. Mit den beiden letzten Stücken „Dividing By Zero“ und „Slim Pickens Does The Right Thing And Rides The Bomb Into Hell“ ist die Band wieder bei sich und hartem, klassischem Skate-Punk.

Ein Fazit fällt schwer und der Eindruck ist mindestens zwiespältig. Auch wenn das Album seine guten Seiten hat, trübt die so lieblos unterlassene Weiterentwicklung doch nachhaltig das Gesamtbild.

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Über Frank Behrens

Frank Behrens arbeitet als freier Journalist in der Nähe von Hamburg. Noten kann er keine lesen, aber Musik hören. Am liebsten Rock und Blues.

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