Melancholie schööön

Blank & Jones : “Chilltronica 4″

Es gibt DJs, die Musik auflegen und nebenbei noch eigenen Tracks bauen, die sie dann mehr oder weniger erfolgreich an den Mann bringen. Und dann gibt es Blank & Jones. Das sind zwar auch DJs, aber vor allem Musikfanatiker und Klangwissenschaftler. Ihre Sampler klöppeln sie nicht einfach wahllos zusammen, sondern mit Bedacht. Ob nun die “So80s”-, “Milchbar”- oder “Relax”-Reihe: Die beiden finden immer den passenden Sound. Auch die vierte “Chilltronica”-Folge enthält wieder einmal Wunderbares für die Herbstzeit.

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Kontemplative Elektronik zur Entschleunigung des Lebens: "Chilltronica Vol. 4" (Quelle: Soundcolours)

Kontemplative Elektronik zur Entschleunigung des Lebens: “Chilltronica Vol. 4″
(Quelle: Soundcolours)

Das Cover zeigt eine vernebeltes Feld, auf dem Boden liegt eine hauchdünne Schneedecke. Das in unansehnlichem Grau gehaltene Bild ist das Thema, unter dem die beiden Musikproduzenten Piet Blank und Jaspa Jones diese CD zusammengestellt haben. “Night Music for the cold & rainy season” lautet der Zusatz. Dem wird das Duo in vollem Umfang gerecht.

Normalerweise frönen die beiden Musiker entweder dem bisweilen kuriosen 80er-Sounds, den sie in ihrer Jugend in den Plattenläden fanden, oder geben sich einem unbeschwerten Sommergefühl hin, wie die “Milchbar”-Sessions belegen. Aber irgendwo schlummert in ihnen auch der Melancholiker, der sich auf “Chilltronica” Bahn bricht.

Die Auswahl der Songs (teilweise haben Blank & Jones ihre eigenen Nummern beigesteuert) bewegen sich allesamt im Downtempo-Bereich. Es dominieren breite Flächen und wabernde Sounds, die wie Nebelschwaden aus den Boxen tönen und eine kontemplative bis frostige Atmosphäre erschaffen.

Manche Stücke kommen mit verhalltem Piano daher (“Distance”), an anderer Stelle werden Klassiker zitiert und umgedeutet (“A Forest” von The Cure), und ganz selten treten klare Rhythmusstrukturen zum Vorschein, die aber nicht unbedingt zum Tanzen animieren (“Lion”).

Auch der vierte Teil der “Chilltronica”-Reihe schafft es, dem Hörer ein Stück Ruhe und Entspannung zu schenken, wobei die Nachdenklichkeit der Stücke den vorrangigen Moment bilden. Von den Songs geht eine leichte Melancholie aus, die einen nicht erschlägt, aber auch nicht spurlos an einem vorüber zieht. Auf diesem schmalen Grat können sich nur wenige bewegen. Blank & Jones tun dies mit spielerischer Leichtigkeit.

VÖ: 29.11.2013 (Soundcolours/Soulfood)

Auch mit dabei: Die genialen Franzosen von M83 mit ihrem Song “Wait”

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Über Daniel Dreßler

Freier Musikjournalist und Radiomoderator aus München. Befürworter der alternativen im Allgemeinen und der elektronischen Klangkunst im Besonderen. Der Strom macht die Musik!

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