Das Methörnchen

Extremfest – Ruhe in Frieden

Die Festival-Saison in diesem Jahr hinterlässt mich mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Ich war abseits von Massenveranstaltungen wie Wacken, Rock am Ring, With Full Force und Summerbreeze auf großartigen Festivals, die aus ihrer Übersichtlichkeit heraus eine Atmosphäre gewannen, die in Verbindung mit den tollen Line-ups zu kaum zu übertreffenden Erlebnissen wurden. Nun zum weinenden Auge: Zwei meiner Lieblingsfestivals machen die Pforten dicht.

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Foto: Markus Lauert

Foto: Markus Lauert

Das Metalinferno in Paderborn und das Extremfest in Hünxe werfen das Handtuch. Die Gründe sind ähnlich. Die Kosten sind gestiegen, die Besucher bleiben fern, der Wettergott ist zynisch. Man könnte auf die kommerzialisierten Bands schimpfen, sich über die Veranstalter aufregen oder die Behören anprangern, aber der Hase liegt ganz woanders im Festivalgras begraben.

Die Szene ist schuld! Die, die zuhause bleiben, wenn keine internationalen Headliner bestätigt werden; die, die über steigende Kosten schimpfen, aber ihren alten Pavillion samt Sofa, Teppich und Müllbergen auf dem Zeltplatz zurück lassen; die, die ein überteuertes Wackenticket kaufen, auf den Mainstream schimpfen und im nächsten Moment Dimmu Borgir hören, weil die gerade dank Bushido in der Presse sind. Es sind die Schuld, die Metal als ein Geschäft ansehen, als ein Angebot, dass man gegen Geld in Anspruch nehmen kann. Dabei ist die ursprüngliche Idee eine andere: Freiwillige Metal-Fans organisieren Konzerte; Bands spielen für Freibier, Unterkunft und Fahrkosten; statt Pizza und Döner gibt es Butterbrote.

Wo ist der Zusammenhalt, das gemeinsame Bewusstsein, das bei Trinkgelagen ein ums andere Mal beschworen wird, abgeblieben? Man wettert gegen den Kommerz, aber wenn man sich die Festival-Landschaft der letzten Jahre anschaut, sieht man, wie einige, wenige Veranstaltungen immer größer, professioneller, rentabler und weltmännischer werden, während kleinere Veranstaltungen gegen rote Zahlen kämpfen und letztlich einen Kopf kürzer gemacht werden. Wo der Rubel rollt, rollen ebenfalls Köpfe, wenn auch die falschen.

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Über Markus Lauert

Westfälischer Lehramtsstudent, der neben seinem Studium journalistische Erfahrungen sammelt. Aus dem Metal-Bereich kommend, unternimmt er immer wieder Reisen in fremde Musik-Genres. Wohl fühlt er sich ebenfalls mit Postrock, Folk und Filmmusik.

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