Aus Freude an der Einsamkeit

Kosheen: “Solitude”

Das Trio aus Bristol hat etwas geschafft, dass es nicht so oft zu bestaunen gibt. Kosheen werden zwar seit Anbeginn ihrer Karriere der Drum’n’Bass-Szene zugerechnet, reüssierten aber auch bei den Gothics. Wie kommt das? Zum einen sicherlich, weil die Schwarzkittelfraktion von jeher durchlässig für viele Spielarten der elektronischen Musik ist, zum anderen aber auch, weil die Band um die charismatische Sängerin Siân Evans eine gehörige Portion Melancholie in ihre Kompositionen dazugibt. Auf ihrem neuesten Werk “Solitude” treiben sie diese Mischung auf die Spitze.

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In der Einsamkeit liegt die Kraft. "Solitude" von Kosheen (Quelle: Membran)

In der Einsamkeit liegt die Kraft. “Solitude” von Kosheen (Quelle: Membran)

Passenderweise nannte sich der Vorgänger “Independence”, also Unabhängigkeit. Unabhängigkeit und Einsamkeit (“Solitude”) stehen ziemlich nah beieinander. So wie auch Kosheen mit jedem neuen Album versucht, eine andere Facette ihres Schaffens offen zu legen. Unabhängig vom Massengeschmack, aber auch immer Gefahr laufend, am Ende des Tages alleine da zu stehen.

Dabei handelt “Solitude” von einer positiven Form der Einsamkeit, die nicht bedrückend, sondern befreiend ist. Einsamkeit heißt für die Sängerin auch, dass man Zeit für sich hat und einfach auf sich selber zurückgeworfen wird, reflektieren und nachdenken kann. In Zeiten von Facebook, Whatsapp und permanenter Medien- und Informationsflut tatsächlich eine Seltenheit.

Mit ruhigen, atmosphärischen Tracks wird versucht, dieses Gefühl einzufangen. Deutlicher als je zuvor haben Kosheen sich bewusst auf klare Songstrukturen konzentriert, wobei es aber mit Stücken wie “745″ Ausreißer zurück zu den Drum’n’Bass-Wurzeln gibt. Auch “Observation” erinnert an die Frühphase der Band und an ihren ersten Hit “Hide U”.

Das Album ist mystischer als der Vorgänger ausgefallen. Die Lieder drängen sich nicht auf, sondern wollen vom Hörer erschlossen werden. Das aber geht nur durch bewusstes Lauschen. Am besten mit Kopfhörer in den eigenen vier Wänden. Wieder einmal haben es die Briten geschafft, sich neu zu erfinden, ohne ihre Vergangenheit zu verleugnen. Nach wie vor bleiben Kosheen einer der spannendsten Acts in der elektronischen Szene.

VÖ: 29.11.2013 (Membran/Sony Music)

Hier das Video zur aktuellen Singleauskopplung “The Harder They Fall”

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Über Daniel Dreßler

Freier Musikjournalist und Radiomoderator aus München. Befürworter der alternativen im Allgemeinen und der elektronischen Klangkunst im Besonderen. Der Strom macht die Musik!

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