Schroff-Schönes von der S-Bahn

Heated Land zwischen Dylan und J.J. Cale

Für die Genießer minimalistisch gehaltenen Folkblues zaubert der Nikolaus heute etwas ganz Besonderes aus seinem Sack. Mit Heated Land (K&F Records), der selbstbetitelten Premiere des Ensembles um Andreas Mayrock, steht eine ausgewöhnliche Produktion am Start, die von den besten Zutaten beseelt eine autonome Atmosphäre zwischen Fernweh, Hoffnung, Resignation und Dreck stiftet, irgendwo zwischen Howlin´ Wolf, Little Walter, Townes van Zandt, Bob Dylan oder J.J. Cale. Dabei erscheinen die Bedingungen, unter denen die Aufnahmen entstanden sind mindestens ebenso erstaunlich wie das Ergebnis selbst.

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Folkblues aus dem Wärterhäuschen: Heated Land (K&F Records)

Folkblues aus dem Wärterhäuschen: Heated Land (K&F Records)

Andreas Mayrock, Sänger und Songwriter von Heated Land, ist ein bekennender Minimalist, der es sich dennoch nicht nehmen lässt, seinen Ideen Größe angedeihen zu lassen. Sein intuitives Gespür für Höhen und Tiefgang schlägt sich in eigenartigen Rhythmen und Fingerpickings nieder, die er auf der melodischen Ebene mit treffsicheren Textzeilen zu würzen weiß, „we´re all trying the impossible move of leaving it all behind”. Dabei erinnert sein Vortrag an den Stoizismus eines Bill Callahan, und das mit einer Bestimmtheit, vor der es sich nicht lohnt in Deckung zu gehen.

Nach Jahren des einsamen Musizierens hat der gebürtige Augsburger Mayrock endlich jene Musiker um sich scharen können, die seine Vision von staubtrockenen Song- und Soundfinessen souverän und fantasievoll umsetzen. Das am akademischen Jazz geschulte Kontrabassspiel von René Stürmer, das minimalistisch-abstrakte Drumming von Christoph Dehne und schließlich die bluesinfizierte Mundharmonika eines Alexandre de Ligonnès bringt aus dem erlesenen Material das denkbar Beste ans diffuse Tageslicht.

Entstanden ist das Album in einem verlassenen Bahnwärterhäuschen neben einer von Personalabbau und Fahrgastmangel entvölkerten S-Bahnstation am Rande Dresdens. Dort wurden die Mikrophone aufgestellt und ausgerichtet, das Album binnen weniger Tage live eingespielt. Origineller, näher und authentischer ist den Folkblues-Wurzeln wohl kaum zu entsprechen. Die Kargheit der Umgebung ist den Aufnahmen im besten Sinne anzumerken, sie erst verleiht den zunächst kaum greifbaren Kompositionen jene Erdung, die imstande ist, das nötige Einfühlungsvermögen anzuhäufen, um es anschließend wieder in seine Bestandteile zerfallen zu lassen, gerade noch rechtzeitig bevor die Tracks ihre Eingängigkeit preisgeben. Was für ein Kleinod zurückhaltender Größe!

Im Frühjahr geht es mit dem überaus geglückten Album auf Deutschland-Tour. Wenn dann Heated Land das Bahnwärterhäuschen gegen die Clubbühnen tauschen, dürfte dies der packenden Direktheit von Lied und Vortrag mit Sicherheit keinen Abbruch tun. Um rege Teilnahme wird gebeten, sonst kommt nächstes Jahr Knecht Ruprecht mit der Rute vorbei, um all jene zu strafen, die Heated Land die verdiente Aufmerksamkeit verweigerten.

Heated Land live:
26.12.13 Dresden – Ostpol (Record Release Concert)
11.02.14 München – Glockenbachwerkstatt
14.02.14 Saalfeld – Klubhaus
15.02.14 Stuttgart – Galao
16.02.14 Nürnberg – Bar Ludwig
17.02.14 Köln – Weltempfänger
25.02.14 Berlin – White Trash
28.02.14 Gera – Clubzentrum Comma
(wird fortgesetzt)

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