Porträts brasilianischer Komponist/inn/en V

Dinorá de Carvalho

Chiquinha Gonzaga gilt zwar als erste Komponistin, die eine emanzipatorische Wende in der Musik ihres Landes vollzogen hat, doch als erste Frau offiziell wurde eine Schülerin des ungarischen Pianisten und Klavierpädagogen Isidor Philipp, nämlich Dinorá de Carvalho (1905 – 1980), in den Kreis der Academia Brasileira de musica aufgenommen. Zunächst war de Carvalho als Klavierschülerin – im Alter von 6 Jahren (!) - von Maria Lacaz Machado und Carlino Crescenzo am Conservatório Dramático e Musical von São Paulo immatrikuliert, ein Jahr später trat sie schon mit einem Programm von Mozart und Mendelssohn in der Öffentlichkeit auf.

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Dinorá De Carvalho war die erste brasilianische Komponistin, die offizielles Mitglied der Academia Brasileira de musica wurde (Desconhecido)

Dinorá de Carvalho war die erste brasilianische Komponistin, die offizielles Mitglied der Academia Brasileira de musica wurde (Desconhecido)

Auf Vermittlung von Mario de Andrade setzte die “Wunderkind”-Musikerin aus dem Bundesstaat Minas Gerais ihre Studien bei Lamberto Baldi in São Paulo außerdem in den Fächern Harmonielehre, Kontrapunkt und Fugenkomposition fort, nachdem sie bei dem renommierten Pianisten Isidor Philipp in Paris Unterricht genommen hatte. Eine Zeit lang wurde sie auch Schülerin von Camargo Guarnieri. Ihre anschließende berufliche Laufbahn zeigt sie als facettenreiche und sehr engagierte Persönlichkeit: Sie war sowohl als Konzertpianistin als auch Komponistin, Dirigentin wie auch als Musikpädagogin tätig und begründete das erste brasilianische Frauenorchester in São Paulo, das sie von da an selbst leitete. Konzertreisen führten sie immer wieder auch nach Europa.

Auch mit ihrem kompositorischen Werk konnte sie bald Erfolge verbuchen. Insbesondere bearbeitete sie Volkslieder für Chöre teils mit Orchesterbegleitung, darunter Ê-bango-bango-ê  nach einem populären brasilianischen Lied, Ausência nach einem Text von Suzana de Campos oder Noite de São Paulo auf ein Lied von Guilherme de Almeida und komponierte Stücke für Soloinstrumente, Kammerensembles, Klavier und Orchester sowie Musik für Theater und Ballett. Ebenso stammt das Instrumentalwerk Bamboleia aus ihrer Hand. Für ihre Missa Profundis erhielt sie 1977 schließlich von der Associação Paulista de Críticos de Arte den ersten Preis für das beste Vokalwerk. Leider ist von ihr auf Tonträgern in Europa – außer einer Begleit-CD-ROM (8526805274) zu ihren Liedern – wenig greifbar; de Carvalhos Kompositionen wären es jedenfalls wert, hierzulande auf offene Ohren auch im Konzertsaal stoßen zu dürfen.

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Über Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler in Erfurt, Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.

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