An der Hochschule für Musik Franz Liszt

Cello in Concert auf internationalem Parkett

Auf hohem und sicherlich CD-reifem Niveau stellten in Weimar am Montagabend Studenten der Cello-Klasse Wolfgang Emanuel Schmidt aus verschiedenen Ländern nicht nur technisch schwierige Werke aus der reichhaltigen Kammermusikliteratur für ihr Instrument vor. Vertreten waren neben russischen und deutschen Kompositionen auch Stücke aus polnischem und argentinischem Repertoire. Schumanns a-Moll-Konzert mit dem 1. Satz und Tschaikowskys Rokoko-Variationen waren dabei dem Publikum wohl am vertrautesten. Bei der außerordentlichen Qualität der einzelnen Darbietungen hätte man sich einen voll besetzten Saal gewünscht …

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Martin Knörzer mit dem ersten Satz aus Schumanns a-Moll-Konzert, begleitet von Naoko Mizugaki am Flügel, 9.12.2013 (H.-P. Mederer)

Martin Knörzer mit dem ersten Satz aus Schumanns a-Moll-Konzert, begleitet von Naoko Mizugaki am Flügel, 9.12.2013 im Festsaal des Weimarer Fürstenhauses (H.-P. Mederer)

Dem aufmerksamen Zuhörer und Zuschauer wird nicht entgangen sein, dass das Konzert durch seine breit gespannte Auswahl zwischen Romantik und avantgardistische Moderne gerade auch die unterschiedlichen Spielmöglichkeiten des Violoncellos demonstrierte: vom Rubato und – in der Rapsodia andina, die von Alexandre Castro-Balbi gespielt wurde – über das Flageolett bis zum Slap mit der Bogenstange auf die Saiten.

Bei dem zentrierten und raumfüllend voluminösen Klang des großen Flügels, an dem Naoko Mizugaki exzellent begleitete und auch schwierige Läufe und Solopassagen genregerecht auszuführen verstand, war es für Simone Drescher, die Interpretin des ersten Satzes der C-Dur-Sonate von Sergej Prokofiev, sicher nicht ganz leicht, im Forte adäquat mithalten zu können, was ihr aber durch den starken sonoren Strich und kräftiges Vibrato sehr gut gelang. Das Stück erfordert eher eine zupackende als lyrische Musizierweise. Der expressive, aber intime schnelle erste Satz aus dem anschließenden Schumann-Konzert verlangte von Martin Knörzer dennoch eher einen dramatischen als elegischen Ton und Rubato-Agogik – bis zum letzten verhallenden Klang eine in sich sehr stimmige Interpretation.

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Prof. Wolfgang Emanuel Schmidt, Leiter der Cello-Klasse an der HfM Franz Liszt und Konzertcellist (Christian Steiner)

Für die technisch wie im Ausdruck hochkomplizierte Sonate von Alfred Schnittke war schon das Fingerspitzengefühl einer Cellistin wie Zuzanna Sosnwoska gefragt. Das expressive-leidenschaftliche Werk weist auch Glissandi und andere alternative Spieltechniken mit Hand und Bogen auf, ebenso eine Passage mit gitarristischem, rasgueado-ähnlichem Anschlag. Unter anderem entfaltet sich im Schlussteil über der Cellostimme als “Orgelpunkt” eine Klaviermelodie … Alexandre Castor-Balbi legte in Chopins Introduction et Polonaise brillante energisch los, wusste aber auch mit lyrischen Charme zu verzaubern. Benzecrys Rapsodia andina ist wegen seiner bewussten Imitation anderer Instrumente aus den Anden eine große spieltechnische Herausforderung. So ist etwa beim Streichen der Saite mit dem Mittelfinger ein panflötenähnlicher Hauchton zu erzeugen. Evgeniya Kleyn wusste beide Werke mit großem pianistischem Können zu begleiten. Esteban Benzecry, 1970 geboren, ist ein argentinischer Komponist mit portugiesischen Wurzeln, der sich besonders der Musik der Andenländer angenommen hat.

Gutes Einfühlungsvermögen für Tschaikowskys nicht eben kurzen Zyklus Rokoko-Variationen bewies am Cello zu guter Letzt Alexej Stadler zusammen mit Naoko Mizugaki, der das Instrument sowohl mit tänzerischer Akzentuierung als auch schwerelos-lyrisch zu spielen wusste. Ein auch in der Zusammenstellung – dank  Prof. Wolfgang Emanuel Schmidt – sehr gelungenes Cello-Rezital.

 

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Über Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler in Erfurt, Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.

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