Carlos Kleiber

Der größte Dirigent aller Zeiten

Es gab in der Geschichte der Musik viele große Dirigenten, und es gibt sie noch immer – inzwischen endlich auch einige Dirigentinnen. Louis Spohr führte sein Kasseler Orchester zu europäischem Rang und war als Dirigent weltweit anerkannt, Felix Mendelssohn Bartholdy begeisterte London ebenso wie den Rest Europas, Arturo Toscanini wurde zur Legende, sein musikalisches Gegenbild Wilhelm Furtwängler ebenso, Otto Klemperer, Herbert von Karajan und viele andere vollbrachten und vollbringen großartige Leistungen. Aber bei der Frage, wer denn der größte Dirigent aller Zeiten war oder ist, kann es, zumindest für den akustisch belegten Teil der Geschichte, nur eine Antwort geben: Carlos Kleiber.

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Ein normaler Taktstock wie dieser wurde in Kleibers Händen zum Zauberstab (Foto: Mary_C., Quelle: Wikimedia Commons)

Ein normaler Taktstock wie dieser wurde in Kleibers Händen zum Zauberstab (Foto: Mary_C., Quelle: Wikimedia Commons)

Niemand vermochte ein Beethovensches Crescendo so spannungsvoll, so präzis und doch so kraftvoll zu gestalten wie er. Seine oft individuelle Nuancierung in der Balance der Instrumente war geradezu anbetungswürdig und nie verließ ihn seine offenbar angeborene musikalische Intelligenz. So ist es auch kein Wunder, dass seine Gesamtaufnahme von Verdis „La Traviata“ bis heute unerreicht geblieben ist. Und auch Beethovens Fünfte und Siebte Symphonie wurden nie besser eingespielt als mit den Wiener Philharmonikern unter der Leitung von Carlos Kleiber. Seine faszinierenden, schwungvoll musikantischen, dennoch präzisen und immer spannungsvollen Interpretationen werden immer Musterbeispiele dirigentischer Meisterleistungen bleiben. Genug Gründe also, diesem eigenwilligen Meister des Taktstocks im nächsten Jahr anlässlich seines zehnten Todestages zu gedenken.

Kleibers musikalische Höchstleistungen waren indes nur möglich, weil er sich den eingefahrenen Regeln des kommerziellen und institutionellen Musikbetriebs konsequent verweigerte. Seine künstlerischen Skrupel und seine gegenüber außermusikalischen Störfaktoren kompromisslose Haltung führten dazu, dass er nur äußerst selten öffentlich auftrat. Wenn dies aber geschah, so war es eine Sternstunde der Musik.

Carlos Kleiber wurde am 3. Juli 1930 in Berlin als Sohn des berühmten Dirigenten Erich Kleiber geboren. 1935 emigrierte er mit seinen Eltern, später zog die Familie nach Argentinien. Hier erhielt er auch seine musikalische Ausbildung. 1954 hatte er unter dem Pseudonym Karl Keller sein erstes Engagement als Dirigent in Potsdam. Von 1956 bis 1964 war er Solorepetitor an der Deutschen Oper am Rhein in Düsseldorf, von 1964 bis 1966 Dirigent am Opernhaus in Zürich. Von da an wirkte er als unabhängiger und legendär eigenwilliger Dirigent. Am13. Juli 2004 starb Carlos Kleiber im slowenischen Litija.

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