Die dänische Oper im frühen 18. Jahrhundert

Launige Mythen und Alltagskomik

Auf ihrem Weg in den höheren Norden kam die neue, in Italien entstandene Gattung der Oper auch im dänischen Königreich mit Verspätung an. Doch pflegte man hier seit längerem komödiantische Lieder und Singspiele, die durch bürgerliche Einflüsse auch derb, voller Trinksprüche und Zoten oder von Maskeraden, Verwechslungen und Intrigen – ähnlich den Stücken Molières - geprägt waren. Die Möglichkeit einer Aufführung hing davon ab, ob finanzielle Mittel vorhanden waren und wie viele Musiker zur Verfügung standen. Gerne griff man in Kopenhagen auf französische und italienische Dirigenten, Sänger und Instrumentalisten zurück, was in enger Verbindung mit dem bevorzugten Repertoire stand – und dies war in der Regel nicht dänisch.

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Schloss Amalienborg und Frederik Kirke: Am Hof gingen in der 1. Hälfte des 18. Jahrhunderts viele Opern und Schäferspiele über die Bühne. (Matvyei)

Schloss Amalienborg und Frederik Kirke: Am Hof gingen in der 1. Hälfte des 18. Jahrhunderts viele Opern und Schäferspiele über die Bühne. (Matvyei)

Dänischsprachig waren nur einige, von Niels Krog Bredal getextete „musikalische Intermezzi”, die sich deutlich von der opera seria und ihrer immer wieder kritisierten “Künstlichkeit” unterschieden. Wegen seiner scharfen Theatersatiren handelte sich Bredal bald Ärger ein und wurde schließlich abgesetzt. Auf den von ihm ausgelösten Theaterskandal reagierte 1770 der Dichter Johannes Ewald mit seinem Schauspiel Die brutalen Beifallsklatscher. Zur Zeit von Bredals und Giuseppe Sartis eher gegensätzlichem Wirken in Kopenhagen distanzierte sich Hofkapellmeister Johann Adolph Scheibe von der in Mode kommenden italienischen Oper.

Die italienische Hofoper und ihre Alternativen

Um eher heitere Formen der Theatermusik bemühte sich nach Carl August Thielo der in Norwegen geborene, von deutschen und dänischen Vorfahren abstammende Violinvirtuose Johan Henrik Freithof, 1744 bezeugtes Mitglied der Hofkapelle, Violinvirtuose und später Sekretär der Staatskanzlei, der etliche Gesangsstücke für das Theater verfasste, von denen leider aber wenig erhalten ist. Ein bemerkenswertes Charakteristikum für Freithofs Behandlung lyrischer Theatertexte war, dass er die zweite Violinstimme die erste kontrapunktisch umspielen ließ, so in einem Lied aus einer ursprünglich französischen Komödie von Jean-François Regnard und Charles Rivière Dufresny mit dem Originaltitel Das Zepter Vulkans. Dieses Schauspiel enthält drei Balletteinlagen und eine Art „Harlekinstanz” von Freithof.

Detlev Bechstedt, Stiefsohn des Kopenhagener Stadtmusikanten Andreas Berg, komponierte Musik zur dänischen Version von Molières Der eingebildete Kranke oder auch ein Ballett zu Holbergs Komödie Plutus. Die dänischen Sammlungen mit Theatermusik weisen wie die deutschen Odensammlungen ein reiches Repertoire an verschiedenen Tanzformen auf, am häufigsten Menuette, aber etwa auch Polonaisen. Da in der Tanzmusik häufig der Parameter des Rhythmus dominierte, geriet die Textbehandlung oft ins Hintertreffen: Melodie und Textinhalt stimmen gelegentlich nicht überein. Beliebt war übrigens auch die spezifisch französische Harlekinade, in der häufig keine Musik vorgesehen oder verfügbar war. Gesang und Tanz verbinden sich übrigens in den Ouvertüren der Komödien, etwa in Louis-François Delisle de la Drevetières Timon Misantrop – im Königlichen Theater im Frühjahr 1758 in dänischer Sprache aufgeführt – wie an den Ankündigungen abzulesen ist, nachdem leider die dänischen Textbücher nicht mehr vorhanden sind.

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Über Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler in Erfurt, Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.

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