30. April bis 11. Mai 2014

„Acht Brücken. Musik für Köln“ – und die Welt

Anlässlich einer Pressekonferenz in der Kölner Philharmonie präsentierten heute Louwrens Langevoort (Gesamtleiter des Festivals und Intendant der Location), Jürgen Roters (Oberbürgermeister der Domstadt), Norbert Oberhaus (GF der cologne on pop GmbH) und Werner Wittersheim („Musikchef bei WDR 3“) das Programm der diesjährigen „Acht Brücken“-Musikfestivals. „Im Puls“ soll als Motto die Technisierung der Gesellschaft fokussieren, auch im Gedenken an die Einführung des Achtstundentags und des Mindestlohns unter Henry Ford, der gerade auch für Köln ein nicht unbedeutender Industrial-Innovator gewesen ist.

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Pressekonferenz Acht Brücken 2014 Köln (Stephan Wolf)

Pressekonferenz Acht Brücken 2014 Köln (Stephan Wolf)

Die Gegensatzpaare Mensch und Maschine, Takt und Puls bieten den inhaltlichen Rahmen des Kölner Musikfestivals internationaler Güte und Relevanz. Geradezu unzählige musikalische Darbietungen werden auf Basis eines 1,8 Millionen-Euro-Etats für knapp zwei Wochen das Kölner Kultursignet ausgestalten. Viele davon mit interaktivem Impetus und ohne Eintrittsgelder zu erheben, was sicherlich dazu führen wird, dass die Darbietungen auch Schichten erreichen werden, denen intellektuell fundierte Musikerzeugung ansonsten eher nicht interessiert.

Sehr interessant wird die (mehrheitlich an ein gebildetes und zahlendes Publikum gerichtete) Hommage an den ungarischen Komponisten György Ligeti mit 24 (!) Werk(s)aufführungen sicherlich geraten. Dabei fällt die Wahl dieses Schwerpunkts angesichts des Mottos schon einmal überraschend aus, doch unter Berücksichtigung des organischen Raunen im Werk Ligetis ergibt sie durchaus durchdachten Sinn, wenn auch „Maschinenästheten“ wie Igor Strawinsky, Arthur Honegger oder Johann Strauß naheliegender gewesen wären (aber auch diese finden bei den Acht Brücken Berücksichtigung).

Junge Tonschöpfer werden ebenso zum Zuge kommen (mit 21 Uraufführungen, inklusive dem Preisträger des LANXESS Kompositionswettbewerbs, der „mehr skulptural denn kompositorisch“, so Werner Wittersheim, ausgefallen sein könnte). Ferner werden Interpreten wie die Bamberger Symphoniker (um nur einen Hochkaräter aufzuführen) mit von der zweiwöchigen Partie sein.

Für folkloristisch-exotisches Kolorit wird die integrierte Veranstaltungsreihe „Im Puls Afrika“ sorgen, während die inhaltlich-ideologische Auseinandersetzung mit dem Antonym Puls und Takt, dem Menschlichen und dem Maschinellen, diejenige geflissentlich übersieht, die sich musikalisch explizit mit dieser Thematik auseinander gesetzt haben oder auseinandersetzen. „Es gibt Grenzen“, wie Norbert Oberhaus zugibt. Klar, dass arrivierte Hochkultur und publikumsträchtiger Afro-Reiz bei den Sponsoren für mehr Freigiebigkeit sorgen als etwa ein Boyd Rice oder artverwandte Lärmanalytiker. Insofern dürfte im Rahmen des Festivals der Einfluss (Industrie-ferner) Rhythmik einen gewollt reizvollen Kontrast zu dem bieten, was allgemein als Auslöser sämtlicher Zivilisationskrankheiten zu verstehen und internalisieren ist: „Taylorismus, Bruitismus, Disko“ (Laibach). Das bleibt außen vor; schließlich will man in Köln traditionell vor allem eines: amüsiert werden.

koelner-philharmonie.de/achtbruecken/
achtbrücken.de

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