Seit den Anfängen aus dem Samba-Jazz

Bossa Nova auf der Erfolgsspur

Mit großer Verspätung, nämlich erst in den frühen Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts entwickelte sich in Brasilien so etwas wie ein musikalischer Nationalstil, der allerdings durch den Romantizismus als Gegenbewegung zum Klassizismus des portugiesischen “Mutterlands” schon vorbereitet worden war. Durch die sehr dynamische und vielfältige Volkskultur, ebenso geprägt von afrobrasilianischen und indianischen Traditionen, konnten Vertreter der Kunstmusik nicht nur auf ein breites landesspezifisches Repertoire an Tänzen, Melodien, Harmonien und Rhythmen zurückgreifen, sondern waren meist von Kindheit an schon mit vielen Einflüssen vertraut und konnten sie wie unbeabsichtigt einfließen lassen.

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Ein Beispiel für den Bossa Nova mit dem charakteristischen leicht nachschleifenden Rhythmus-Pattern (Uryah)

Ein Beispiel für den Bossa Nova mit dem charakteristischen leicht nachschleifenden Rhythmus-Pattern (Uryah)

Heitor Villa-Lobos gelang vor seiner Abreise 1923 nach Europa sogar eine Überschau des nationalen Musikgutes, ein Nonett mit dem Untertitel Impresão rapido de todo a Brasil – ´”ein flüchtiger Eindruck von ganz Brasilien” … Der deutliche Einfluss der Jazz-Bigbands und ihrer typischen Arrangements entstand um die Mitte der 1950er Jahre als Begleiterscheinung des Samba-Jazz ein eigener Stil, der sich wenige Jahre später als Bossa Nova etablieren sollte. Begünstigt wurde der Aufschwung dieser neuen popularmusikalischen Richtung überwiegend in den Städten durch Miles Davis und seinen “cool-Sound”. Hoch qualifizierte Komponisten-Interpreten wie Antonio Carlos Jobim, João Gilberto, Milton Nascimento und Chico Buarque mischten nun im Musikleben mit.

Der Tropicalismo kam als neomoderne Bewegung Mitte der 1950er Jahre hinzu, ausgelöst durch die Gruppe Tropicalia, die verschiedenste Persönlichkeiten der Szenen einbezog. Es war insofern auch eine gesellschaftspolitische Avantgarde, als sie dem Mittelstand die Tragik der landesweiten Armut, Ausbeutung und Unterdrückung breiter Bevölkerungsschichten vor Augen führen wollte. Musikalisch gesehen öffnete sich die Bewegung internationalen Strömungen wie dem Phänomen Beatles, Experimenten der elektronischen Musik und der anglophonen Rockmusik  im allgemeinen. Hier traten Komponisten und Musiker wie Caetano Veloso, Nara Leão, Tom Ze oder Gilberto Gil ins Rampenlicht.

Daniel Jobim, international bekannter Bossa-Nova-Musiker beim Festival von Cannes 2012 (Bruno Melo)

Daniel Jobim, international bekannter Bossa-Nova-Musiker beim Festival von Cannes 2012 (Bruno Melo)

Heute - wie schon vor vierzig Jahren – erklingt Bossa Nova auf der ganzen Welt, Antonio Carlos Jobim und João Gilberto sind überall präsent; Garota de Ipanema wird fast genauso oft reproduziert und variiert wie der Erfolgssong Yesterday von den Beatles. Einer der großen, heute noch aktiven Musiker ist João Donato de Oliveira Neto (geb. 1934), Sohn eines Piloten, dessen neue CD Sambou, Sambou (B00APQY71W) seit März 2013 im Handel ist und hier als Beispiel für den gewachsenen Bossa Nova – jenseits seiner Disco- und Dub-Varianten – nachdrücklich empfohlen sei.

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Über Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler in Erfurt, Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.

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