Griechische Untergrundmusik vor, während und nach der Diktatur

Stimmen aus dem Hades: Rembétika

Der Begriff Griechischer Blues ist zwar kein Markenname, doch kommen die Underground-Lieder des Rembétiko der Intention des schwarzen Blues nahe, weil die Texte von den alltäglichen Problemen und Erfahrungen der einfachen Leute handeln – wenn auch nicht nur. Rembétika wurden ursprünglich  von den im Piraeus lebenden „Rembetes“, Flüchtlingen gespielt, die in großer Zahl – 1,5 Millionen Menschen – 1922 aus Smyrna und anderen Orten Kleinasiens in das griechische Kernland vertrieben worden waren. Das Rembétiko erlebte in den 1930er bis 1950er Jahren seine Blütezeit, wurde allerdings nach seinem Weiterleben in der Diktatur später zur Wurzel der griechischen Popularmusik, wie sie noch heute der 1950 geborene Sänger Yiorgos Dalaras repräsentiert.

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Smyrna Style Trio mit Roza Eshkenazy (1930; o.U.)

Smyrna Style Trio mit Roza Eshkenazy (1930; o.U.)

Im Milieu der entwurzelten und sozial ausgegrenzten Immigranten aus Kleinasien begann sich seit 1922 vor allem in den Städten eine eigene Subkultur zu entwickeln, deren musikalische Ausdrucksform die Rembétika waren: in Kneipen und Gefängnissen improvisierte Lieder meist mit sozialkritischem Hintergrund und instrumentaler Begleitung durch Bouzouki, Gitarre, Baglamas, einer Miniaturversion der Bouzouki, Akkordeon, Violine, Ud, einer Form der Laute und Santur.

Zu den bekanntesten Schöpfern und Interpreten dieser Art von Underground-Musik zählen Vassilis Tsitsanis, Markos Vamvakaris, Manolis Hiotis, Yiorgos Batis und Michalis Jenitsaris, gleichermaßen wurden aber spielende und singende Komponistinnen wie Sotíria Bellou, Roza Eshkenazy oder Marika Ninou weltbekannt. Seine Renaissance erfuhr der Stil des Rembétiko durch Studenten, die ihn während des Junta-Regimes von 1964 bis 1974 im griechischen Untergrund zum politischen Protestsong umformten. In der Bewegung des Neo Kima (Neue Welle) wurden aber auch andere popularmusikalische Liedtraditionen wiederbelebt.

Eine Mini-Ausgabe der Bouzouki, wie sie häufig in den Rembétika verwendet wird: Baglamas (Panigia.mouuu LCh)

Eine Mini-Ausgabe der Bouzouki, wie sie häufig in den Rembétika verwendet wird: Baglamas (Panigia.mouuu LCh)

Die wesentlichen Rhythmen oder Tänze des Rembetiko sind Chasapiko – ursprünglich der Tanz der Metzgergilde -, Chasaposervikos, das Zeibebiko, ein auf Improvisation beruhender Ausdruckstanz, der Aptalikos als Variante des Zeibebiko, der von zwei gegenüberstehenden Tänzern ausgeführt wird, Karsilamas, Tsifteteli, ein orientalischer Tanz im 2/4-Takt, Anatolikos, Bayo und Sirtos, ein Kreistanz in mäanderähnlichen Mustern. Nach der spektakulären Veröffentlichung von Rembétika-Liedern mit dem Titel Fünf Griechen in der Hölle (Trikont – Unsere Stimme US-0071-72, München 1982) erschien eine Veröffentlichung auf 2 CDs unter dem Motto Rembetika Songs of the Greek Underground 1925-1947 erst 2001 (Trikont Indigo Q293).

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Über Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler in Erfurt, Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.