Interview mit Jini Meyer / Luxuslärm

„Wir sind eine Rockband“

Am 7. März erscheint „Alles was du willst“ (Universal), das vierte Studioalbum einer der erfolgreichsten (und überzeugendsten) Bands der neueren deutschen Rockmusik: Luxuslärm! Als CD, als Special Edition mit DVD (Konzertmitschnitt) und auf Vinyl. Eiderweil geht es nur zehn Tage später auf große Tour. Das sind dann summa summarum mindestens zwei gute Gründe, um im Rahmen eines mittäglichen Plausches mit Frontfrau Jini Meyer zu erfassen, wie und womit Luxuslärm gedenkt, die Bestandskundschaft einer treuen Fangemeinde erneut zu begeistern – und zugleich den Kreis der Zuhörerschaft zu erweitern.

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Alles was du wilst: Luxuslärm (Universal)

Alles was du wilst: Luxuslärm (Universal)

amusio: „Euer neues Album klingt vom ersten Ton an direkt, packend und verbindlich. Inwiefern hat die exquisite Wahl des Studios, die legendären Wisseloords zu Hilversum, mit dazu beigetragen, dass im Ergebnis alles auf Anhieb so stimmig rüberkommt?“

Jini Meyer: „Tatsächlich war die Entscheidung, ein renommiertes und entsprechend geschichtsträchtiges Studio zu buchen, zunächst einmal einem bandinternen Wunsch entsprungen. Als wir gemeinsam die Doku von Dave Grohl über die Soundcity-Studios gesehen hatten, dachten wir als Band, dass es doch eine feine Sache wäre, in so einem Studio aufzunehmen. Unser Produzent und sechstes Bandmitglied, Götz von Sydow, hat sich dann mal umgehört, seine Connections gedeihen lassen, und dann stand es fest: ab nach Holland!

amusio: „Und dort?“

Jini Meyer: „Stellten wir uns der Herausforderung, dass im Prinzip jeder Ton direkt zu sitzen hatte. Der Zeitdruck war immens, da man sich so ein Studio natürlich nicht lange leisten kann, aber wir waren vorbereitet, wussten genau, was wir wollten. Hochkonzentriert haben wir das Album sozusagen live eingespielt. Und so unser Ziel erreicht: Unsere Energie und Spielfreude zu übertragen, ohne der Versuchung zu erliegen, noch mehr als genau das zu wollen oder uns selbst abzufordern.“

amusio: „Also Luxuslärm im wahrsten Sinne des Wortes. Auffällig ist bei `Alles was du willst´ die Song-Dramaturgie, der Flow …“

Jini Meyer: „Wir wollten das Album wie ein Konzert aufbauen. Wir hatten die Songs parat, und es war an mir, die Reihenfolge festzulegen. Da habe ich nächtelang hin und her geschoben, doch als ich mir dann sicher war, das es so und nicht anders am besten funktioniert, stimmte auch die Band sofort zu. Wir sind nun einmal eine Live-Band durch und durch. Wir sind eine Rockband! Dass es uns offenbar gelungen ist, dieses Selbstverständnis nun auch auf Platte gebannt zu haben, löst bei uns ein Glücksgefühl aus, die wir mit unseren Fans teilen wollen.“

amusio: „Die neuen Songs atmen Größe, einen selbstbewussten Hang zum Hymnischen wie etwa bei dem souligen `Verschenkt´ oder dem epischen `Thelma & Louise´- sowie eine von euch bislang ungewohnt derbe Direktheit wie etwa bei dem Kracher `Regen, der nach oben fällt´.“

Jini Meyer: „Schön, dass dir das aufgefallen ist. Früher haben wir immer ein wenig darauf spekuliert, auf Platte poppiger rüberzukommen als auf unseren Konzerten, wo wir schon immer die Rocksau rausgelassen haben. Diesmal haben wir den Pop-Anteil außen vor gelassen, was auch damit zu tun hat, dass jedes Bandmitglied seine persönlichen Vorlieben eingebracht hat. Und da wir uns alle ganz klar als Rockband verstehen, spricht das neue Material für sich selbst, bezie-hungsweise für unsere neu gewonnene Souveränität. Und das Hymnische, das Pathos – hey, das sind doch die Songs, die uns allen schon immer am besten gefallen haben! Aber erst zum jetzigen Zeitpunkt fühlen wir uns imstande, gewisse sowohl songschreiberische als auch technische Qualitäten zu erfüllen, die einfach vonnöten sind, damit der Schuss nicht nach hinten losgeht.“

amusio: „Und dieser Reifegrad gedeiht mit eurer Fanstruktur?“

Jini Meyer: „Als wir vor gut zehn Jahren anfingen, wurden wir öfters mit der Frage konfrontiert, für wen wir spielen, wen wir erreichen wollen. Doofe Frage. Wir wollten es für uns und für alle. Sicher verortet man uns gerne in Bezug auf eine bestimmte Zielgruppe. Und die mag ja auch gerne mit uns älter werden. Aber auf unseren Konzerten decken wir eine Spanne von sechs bis sechzig ab, ganz im unserem Sinne. Sämtliche Schubladen können von mir aus gerne geschlossen bleiben. Wir wollen mit unseren Fans, völlig egal in welchem Alter, rocken, nur darauf kommt es an.“

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