Porträts brasilianischer Komponist/inn/en VIII

Prämiert für Variações Sinfônicas: Ronaldo Miranda

Gut, dass in letzter Zeit Kunstschaffende aus Brasilien mehr ins Bewusstsein einer internationalen Öffentlichkeit gerückt werden. Manchem mag es zwar schwindelig werden angesichts der Vielfalt von musikalischen Formen, die fast jeder einzelne Komponist aus dem fünftgrößten Land der Erde stemmt(e), doch sind die interkulturellen Unterschiede innerhalb Brasiliens bekanntlich so groß und jeweils fast exklusiv, dass an den Musikakademien schon eine gewisse Breite von Stilen, Rhythmen und Instrumentarium gelehrt wird, ein Repertoire, das von den Initianten unter den schreibenden Musikern wie selbstverständlich aufgegriffen und weiterentwickelt wurde, abgesehen von den zusätzlichen individuellen Wegen, die von den Einzelnen beschritten wurden.

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Ronaldo Miranda (geb. 1948) inmitten von Maximiliano de Brito und Renato Mismetti (Dietrich Hilmi)

Ronaldo Miranda (geb. 1948) inmitten von Maximiliano de Brito und Renato Mismetti (Dietrich Hilmi)

Bereits seit den 1970er Jahren gewann der außerhalb Brasiliens damals noch wenig bekannte Komponist und Pianist Ronaldo Miranda, geboren 1948 in Rio de Janeiro, mehrere Kompositionswettbewerbe, obwohl er nach seinem Abschluss an der Musikabteilung der Universidade Federal seiner Heimatstadt zunächst lediglich als Kritiker für das Jornal do Brasil gearbeitet hatte.

1981 wurde ihm der prestigeträchtige Pokal Troféu Golfinho de Ouro durch die Regierung von Rio de Janeiro verliehen und ein Jahr später wurde er für seine Variações Sinfônicas als bester Komponist des Jahres (1982) ausgezeichnet. Er realisierte damit ein Auftragswerk des Orquestra Sinfônica de São Paulo. In den letzten Jahren, als er längst als Professor an der Hochschule seiner eigenen Studienzeit wirkte, gelang ihm 2006 nach der Oper Dom Casmurro (1992) ein weiterer spektakulärer Bühnenerfolg mit A Tempestade (2006), wobei es sich um eine portugiesische Version von Shakespeares Sturm handelt. Auch Miranda erweist sich als wahres Chamäleon der musikalischen Formen: Sein Streichquartett Texturas wurde 2007 am Theatro Municipal in São Paulo uraufgeführt.

Encantamento Bgq mit Mirandas Variacoes serias (2001)

Die CD Encantamento Bgq mit Mirandas Variações serias (2001)

Der derzeitige Direktor des Sala Cecília Meireles in Rio de Janeiro war auf Tonträgern bislang eher selten zu hören. So spielte der Pianist Daniel Inamorato 1973 seine Suite Nr. 3 ein, das Brazilian Guitar Quartet nahm sich 2001 der Variações serias an (CD B00005TQ50) und auf einem Solo-Gitarren-Rezital mit Fábio Shiro-Monteiro ( B000059QDJ) war er im selben Veröffentlichungsjahr neben seinen Kollegen Marlos Nobre und César Guerra Peixe vertreten, Mirandas viersätzige Suite Nordestina ist beim Label Rondeau (B005V34N90) unter dem Sammeltitel Saudade – Chormusik aus Brasilien erst 2011 erschienen.

 

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Über Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler in Erfurt, Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.