Solodebut mit 69 Jahren Selbsterfahrung

Dieter Meier – Deuter des Chaos

Meister der Unberechenbarkeit, Dandy alter Schule, schwerreicher Freigeist – das wären dann schon mal drei Attribute, die zutreffen mögen – und doch wären unzählige weitere vonnöten, um die (Künstler-) Persönlichkeit des Dieter Meier halbwegs zu erfassen. Da erscheint so mancher Output seines konzeptionell-musikalischen Betätigungsfelds Yello vergleichsweise konventionell und berechenbar. Unter Zuhilfenahme eines hochkarätigen Teams wird Dieter Meier mit dem Album „Out Of Chaos“ (ab dem 11. April auf Staatsakt/Rough Trade) der Reichhaltigkeit seiner emblematischen Charakterzüge mit jedem Track neue Facetten hinzufügen.

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Dieter Meier, Out Of Chaos (Staatsakt / Rough Trade)

Dieter Meier, Out Of Chaos (Staatsakt / Rough Trade)

Wer, wenn nicht Meier selbst, kann vertrauliche Auskunft über seine eigene Teleologie geben? Er habe gelernt damit zu leben, dass ihn nur selten der Wahnsinn überfalle, Schöpfer jener Dinge zu sein, die ihm zufielen. Und damit, dass alles der Freude an der Selbsterkenntnis diene, nach ein paar Jährchen irdischer Existenz in die Tiefen des Universums zu ziehen, wo ihn sicher ein perfekt gekühltes Bier erwarte, wenn auch nicht unbedingt der bevorzugte Dry Martini, nachzulesen in seinem autobiographischen Bilderbuch (Edel Germany), das denselben programmatischen Titel trägt, wie nun sein Album.

Dessen Genese verlief konsequent nicht-linear: Auf einer Lesereise zum Multimedial-Projekt „Touch Yello“, war es Meier mal danach, ganz bescheiden ein paar eigene Songs einzustreuen, die er mit dem Jazzgeiger Tobias Preisig und dem Gitarristen Niclolas Rütimann en passant aufführte. Und siehe da: Meier, der mit Yello (bis auf zwei Ausnahmen) nicht live aufgetreten war, gefiel sich in der Rolle des Event-Sängers und schrieb sich fortan weitere Songs auf den Leib. Gemeinsam mit Schlagzeuger Thomas Wydler (Bad Seeds/Nick Cave) und Pianist Ephrem Lüchinger erfuhr das heranwachsende „Out Of Chaos“-Material weitere Aufführungen – von Montreux bis zur Berliner Volksbühne.

Steht ihm bestens: Dieter Meier alive (dietermeier.com)

Steht ihm bestens: Dieter Meier alive (dietermeier.com)

Dort (zumindest was die Metropole betrifft, die Bühne ist nicht dokumentiert) tat sich im vergangenen Sommer mit Patrick „Nackt“ Christensen, Ben Lauber und Marco Haas alias T.Raumschmiere ein Produzententrio zusammen, das als erklärte Meier-Verehrer in den Chez Cherie-Studios in unzähligen Sessions an den Songs schraubte, um an der Seite Meiers das kreative Chaos erst zu bändigen, nur um es anschließend wieder in die notwendige Freiheit zu entlassen. Im Ergebnis: ein hochmodern zeitloses Album, mit Dieter Meier als dem Crooner und Chronisten dieser pulsierenden Zeitlosigkeit. Mal klingen seine liedgewordenen Weisheiten wie um Boris Blank reduzierte Yello-Songs („Lazy Night“, „Paradise Game“, „Jimmy“), mal wie ein nostalgischer Neo-Blues aus dem Orkus larmoyanter Eleganz („Loveblind“, „Annabelle“), dann wieder nach postpunkigem Aufruhr („Fat Fly“, „Baffoon“). Oder, streng vereinfachend, nach einem magischen Klangmoloch aus Chanson, Electro und Meierschen Dub-Techniken.

So, und die beste Nachricht zum Schluss: Dieter Meier kommt mit seinem „Out Of Chaos“- Ensemble auf Tour! Werden auch Sie Augenzeuge einer weiteren Inkarnation eines Tausendsassas, dessen Art sich seiner Freiheit zu bedienen live besonders inspirierend und zur Nachahmung auffordernd ausfallen dürfte:

06.05.2014 Leipzig, UT Connewitz
07.05.2014 Berlin, Berghain
18.05.2014 US-New York, Le Poisson Rouge
23.05.2014 Hamburg, Mojo Club
28.05.2014 München, Freizhalle
29.05.2014 AT-Wien, WUK
05.06.2014 Frankfurt, Batschkapp
06.06.2014 Köln, Gloria
(wird fortgesetzt)

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