Unbekannter Beatles-Songtext ausgestellt

Ein bisher unbekannter Songtext, geschrieben von dem 2001 an Krebs verstorbenen Ex-Beatle George Harrison, wurde jetzt erstmals ausgestellt. Der Songtext soll von Autor Hunter Davies zufällig während der Recherchen zu seiner offiziellen Beatles-Biografie gefunden worden sein. Er hätte das Papier mehrere Jahre aufbewahrt, nachdem er es vom Boden der Abbey Road Studios aufgehoben haben soll.

Vermutlich habe Davies

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den Text vor der Abbey-Road-Putztruppe gerettet, so die British Library. In dieser ist der von Hand verfasste Songtext aktuell ausgestellt.

Quelle: wikimedia commons

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Der Liedtext wurde von George Harrison im Jahre 1967 verfasst. Im Song gehe es um ein Mädchen, dessen Identität im Text nicht verraten wird. Es soll sich jedoch vermutlich um Harrisons damalige Ehefrau, Fotomodel Pattie Boyd handeln.

In der offiziellen Pressemeldung der British Library wird der Songtext als 8-Zeiler wie folgt angegeben:

Im happy to say that its only a dream
when I come across people like you,
its only a dream and you make it obscene
with the things that you think and you do.
your so unaware of the pain that I bear
and jealous for what you cant do.
There’s times when I feel that you haven’t a hope
but I also know that isn’t true.

Das Ganze ist natürlich sensationell, doch trotzdem kommen mir Zweifel, ob dieses „Manuskript“ tatsächlich von Harrison selbst stammt. Es hat diesen Hollywood-Zufalls-Schicksals-Mief an sich, dass Hunter Davies den Songtext einfach so auf dem Boden der heiligen Hallen der Abbey Road Studios gefunden haben soll – und diese „Anekdote“, dass er das Stück Papier auch noch vor den Putzfrauen gerettet habe? Klingt zu schräg, um wahr zu sein.

Hunter Davies veröffentliche 1968 die offiziell autorisierte Beatles-Biografie. Demzufolge muss er wohl entweder direkt in besagtem Jahr recherchiert und den Zettel mit Harrisons Songtext gefunden haben, oder im Jahr davor (1967), also kurz nachdem Harrison den Text geschrieben hat.

Mehrere Punkte bei dieser Geschichte lassen diese „Sensation“, sollte der Text wirklich von Harrison sein, dann doch ziemlich schnell schlaff oder „skandalös“ aussehen:

  • Wenn der Text auf dem Boden lag, er bisher nie bekannt oder veröffentlicht wurde und erst recht Harrison selbst ihn nicht in irgendeinem Song eingebaut hat, ist der Text wohl aus musikalischer Sicht wertlos: warum wurde er sonst achtlos auf den Fußboden fallen gelassen und dann nie wieder erwähnt? Also mochte Harrison den Text selbst nicht, und hat ihn verworfen.
  • Sollte der Text für den Beatle doch einen gewissen Wert gehabt haben und nur zufällig auf dem Boden gelandet sein, würde ich sogar behaupten, Davies hat George Harrison vielleicht seinen Songtext geklaut. Ich stelle mir gerade Folgendes vor: die Band nimmt an einem Tag des Jahres mehrere Songs bei Abbey Road auf, improvisiert, probt, schreibt fleißig. George Harrison hat einen Geistesblitz, schreibt schnell den Liedtext aus seinem Kopf auf ein Blatt Papier, um dann später darauf zurückzukommen.
    Dann hat die Band Feierabend, verlässt die Studios – und Hunter Davies kommt zum Herumschnüffen Recherchieren. Er findet den Songtext zufällig, steckt ihn schnell ein, versteckt ihn gut zu Hause und verliert kein Wort darüber.
    Am nächsten Arbeitstag kommt George Harrison in die Studios, um am Songtext weiterzuarbeiten, findet ihn nirgends und vermutet, dass einfach die Putzkolonne das Stück Papier entsorgt hat. Hunter Davis könnte also die Beatles um ein weiteres Meisterwerk gebracht haben. Pfui!
  • Warum hat Hunter Davies das Papier überhaupt so lange aufbewahrt? Kaum vorstellbar, dass Hunter Davies den Zettel in seiner Schreibtischschublade hatte und ihn für 40 Jahre vergessen hat, oder?
    Vielleicht war es reine Taktik. Natürlich hat Davies mit der Beatles-Biografie gut verdient, doch trotzdem kann es sein, dass auch dieses Geld mal knapp wird.
    Anleitung zur effektiven Vermarktung eines unbekannten Beatles-Songs
    : Man wartet, bis der Verfasser der Worte abkratzt und so einen selbst nicht mehr für irgendetwas belangen kann – und auch kein Statement mehr über den Text abgeben kann, dessen Wert dadurch vielleicht gemindert wird („Ach DER Songtext. Ja, das war reiner Blödsinn, ich hab den Text aus purer Langeweile verfasst. Der ist wertlos, daraus hätte ich niemals einen Song gemacht.“).
    Sobald der richtige Zeitpunkt gekommen ist, und man einige Jahre – natürlich geheim – mit verschiedenen „Ausstellern“ über den Preis für solch ein wertvolles Stück Gekritzel verhandelt hat, sucht man sich das beste Angebot und vermietet verleiht das Papierchen.
    So kann man mit ein wenig Gerissenheit und Verhandlungsgeschick ein kleines Taschengeld dazuverdienen. Als nettes Extra taucht man zudem mit einer schönen Geschichte über das unglaubliche Glück eines jungen Buchautors aus der Versenkung auf und gelangt für einige Tage in die internationale Presse.

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