Beneath The Watchful Eyes auf Fluttery Records

Electro-Post-Rock aus Blackpool

Entschlossen, konsequent, rundum gut und gelungen: Das ab sofort über sämtliche Kanäle erhältliche Album „We Held Our Breath Until Our Hearts Exploded“ (Fluttery) des Duos Beneath The Watchful Eyes, Simon Morgan und Barry Parkinson, die bereits als Mitglieder von Goonies Never Say Die (beide) und Midas Fall (Simon) in Erscheinung getreten sind. Wer die ruhigen Momente von God Is An Astronaut ebenso wie die emotional pessimistischen Momente im Gefrickel von 63 Days Of Static gleichermaßen zu schätzen weiß, darf dieses mit an Verzweiflung grenzender Macht auftrumpfende Album nicht unerkannt bleiben lassen.

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Ohne Tante näher am Inhalt: WHOBUOHE-Cover (Fluttery Records)

Ohne Tante näher am Inhalt: WHOBUOHE-Cover (Fluttery Records)

Man nehme, aber übertreibe es nicht: Glitch, Math-Post-Rock, Ambient Drones & Electronics Noises. Und schon senkt sich ein gnädiger Schatten ins Gemüt, der Freude bereitet, so die Sonne auch mal wieder ran darf, um weitere Schatten evozieren zu können. Der mittlerweile als überlebt geltende Pomp üblicher Post-Rock Erzeugnisse wird hier mit geradezu frostiger Reduktion ausgekontert (eine Reduktion, die dem Artwork auch gut zu Gesicht gestanden hätte). Die Herzen sind bereits explodiert, es darf wieder geatmet werden, eiserne Lungen halten Einzug.

Aber es gibt auch lustige Momente auf „We Held Our Breath Until Our Hearts Exploded“, wie etwa die schottenrockige (Big Country), zum Feldzug auffordernde Gitarre zum sexuell relevanten Ausklang von „Exposed“. Einmal zur Schau gestellt, tut das 2. Mal nicht mehr so weh. Es bleibt heikel, alles was mit dem Emblem des Post-Rocks zu tun und zu schaffen hat, den Stempel der Innovation aufdrücken zu wollen. Doch wer will das schon? Neu zu sein oder nicht neu sein zu wollen ist kein Argument, allenfalls autokratische Legitimation. Morgan und Parkinson widerstehen der Versuchung, ihren (in gewissen Kreisen konventionell empfundenen) in Ansätzen vorhandenen Wohlklang um den Preis intellektueller Akzeptanz zu opfern. Und dennoch lanciert das Album zu viele Störer, um noch als Easy Listening durchzugehen.

Es ist Zerrissenheit, die dem vorliegenden Album anzuhören ist, die es auszeichnet. Orchestrale Sprengsel verlaufen zu Stagnation, eine hübsche Melodie auf der Hallgitarre entspannt für Sekunden, dann furzt wieder ein Dröhnen auf die Stulle. Anstrengend, aber lohnend, wenn auch nicht für die genre-konformen großen Gefühle. Es sind zahllose Zwischentöne versteckt, da bleibt keine Zeit für entspanntes Zurücklehnen oder melodieverliebtes Sehnen. „The Wolves Are Running“ …

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