Heated Land unterwegs

„Nicht präzise, nur langsam“

In der Kneipe des Backpacker-Domizils „Weltempfänger“ zu Ehrenfeld (Köln) ließen Heated Land (und Dominique Marquee) den Koffer rundgehen. Um ihn pekuniär anfüllen zu lassen, als Gegenleistung für ein unentgeldlich dargebotenes Konzert, das jedwede noch so kleine Begeisterung für das Debut-Album (K & F) in liebevolle Autogrammanfragen umzumünzen wusste. Die Hochkaräter vor Ort, die Nachkartereien – hier.

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Allesamt recht aufgeheizt: Heated Land am Weltempfänger (Stephan Wolf)

Allesamt recht aufgeheizt: Heated Land am Weltempfänger (Stephan Wolf)

„Auch ich kann nicht genau nachvollziehen, wie es zu Heated Land gekommen ist, sehr wohl jedoch, warum wir heute so einen präzisen Soundcheck hingelegt haben. Stau auf der Autobahn, dann doch angekommen, alles langsam richtig machen“, kleidet Andreas die üblichen Widrigkeiten in angemessen banale Worte.

Heated Land landed?

„Wir sind nicht unbedingt präzise, wir sind bedingt langsam. Manches scheint im Nachhinein kalkuliert zu sein: unsere Aufnahmen in der Haltestelle, unsere Auftritte an Orten, wo wir nicht erwartet wurden und die wir nicht erwartet haben. Oder unser Plattencover, es zeigt einen Waldbrand in Portugal. Meine Freundin hat das Bild gemacht, anschließend waren die zuvor andauernden Diskussionen um den Bandnamen einvernehmlich geklärt“, so Andreas Meyrock.

Und er muss es wissen. Schließlich hat er nicht nur eigenartig spröde, magische Songs mit dauerhaftem Bleiberecht erschaffen. Nein, er hat es auch verstanden, einige der fähigsten Nachwuchsmusiker um sich zu scharen, um seiner Vision „unaufdringlich ergreifender Lieder“ genüge zu tun.

Kurz vorgestellt: Christoph „Broiler“ Jabi Dehne, der im Weltempfänger mehr als einmal andeutete, dass er das unbegreifliche Handwerk der Perkussion ziemlich frech beherrscht, wenn er auch „eigentlich vom Klavier her gelernt“ habe. Doch dessen „Rhythmik im Anschlag“ habe ihn darin bestärkt, es auch mal mit den Drums zu versuchen. Schon heute ein gefragter Studio-Schlagzeuger, will er sich zukünftig verstärkt dem Saitenspiel widmen. Wo soll das noch enden?!

Der Winner of da Martin Gore-lookalike Contest („hat mir noch keiner gesagt, ich habe auch nicht daran teilgenommen, wer ist dieser Martin Gore überhaupt?!), René Stürmer, behauptet sich mit astreinem Spiel am dicken Ding (Kontrabass), genauso erhaben wie Alexandre de Ligonnès am kleinen Teil (Harmonika). Dessen musikalische Sozialisation ereignete sich lt. eigener Aussage qua Plattensammlung des Schwiegervaters einer Verflossenen, Blues!

Aber – was nützt das beste Handwerk wenn Fundament und Veredelung nicht stimmen? „Der ausgangs eingeschlagene Akkord macht es auch nicht besser“, gibt Andreas zu, doch das ist Koketterie, die zum Ende der Songs angedeutete Unendlichkeit macht das Material so sinnig stimmig. Droht es ab und an in selbstgefälligem Selbstmitleid zu versinken … kommt der nächste Akkord, einer der erdet, befriedet und Lust auf seinen Nachfolger macht.

Homo ludens - pluralis: Andrex. Heated Land (Stephan Wolf)

Homo ludens – pluralis: Andrex. Heated Land!(Stephan Wolf)

„We are trying the impossible move of leaving it all behind“, Andreas braucht keinen Lektor oder Ghostwriter zur Freigabe, dass er indes seine Songs braucht, das ist ihm anzumerken. Von begnadeten Instrumentalisten begleitet, von Songwriter-Instinkt beseelt, braucht ihm vor der anstehenden Prüfung („Amerikanisch für Inländer“) nicht bange zu sein.

Bange schien hingegen der zu (noch) höheren Weihen berufenen Dominique Marquee zu sein. Vorgeblich als Opener geplant, verzückte sie das erfreulich zahlreich erschienene Publikum im Anschluss. An Heated Land: Super-Gitarrenspiel, mulmig stimmende Texte, tolle Frisur – diese Dame wird man sich merken müssen: Alle Anwesenden wollten ihr Anträge stellen und Verträge unterreichen, doch nur unter der Voraussetzung, dass sie ihre Ziellosigkeit zwischen den mit Inbrunst dargebotenen Songs überwindet. Freund „Broiler“ wird auch in dieser Hinsicht zu helfen wissen, doch dass mit ihr noch ein extra Extra geboten werden konnte – Chapeau!

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