Gute Frage: Why can the bodies fly

Gute Antwort: Warning!

Von Pungent Stench (Death Sleaze Porno Metal), Noyce TM (Dark-Songwriters) oder auch Dekubitüs Research (Old-School-Industrial) gecovert, das auch. Aber wer das im Zuge des Einsatzes für einen der besten ARD-Tatorte aller Zeiten („Peggy hat Angst“) 1982 bis auf Platz 11 der deutschen Charts geschossene, latent ominöse Doom-Electro-Duo Warning auf das One-Hit-Wonder „Why Can The Bodies Fly“ reduziert, hat die beiden aus der Zusammenarbeit von Edgar Schlepper (Ed Vanguard) und Hans Müller (Mike Yonder) hervorgegangen Alben schlicht nie vernommen. Dereinst auf Vertigo/Phonogram erschienen, sind die Scheiben heute kaum noch zu kriegen. Aber zu hören, ihr wisst schon …

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Schon heute nicht mehr im Handel: die neue Daft Punk von 1983 (Vertigo / Phonogram)

Schon heute nicht mehr im Handel: die neue Daft Punk von 1983 (Vertigo / Phonogram)

In den über 30 Jahren, die zwischen dem Heute und der Veröffentlichung von „Warning“ und „Electric Eyes“ liegen, haben beide Alben im privaten Kreise immer wieder begeistern können. Hätte sie es bis dato nicht gegeben, würden sie hingegen und also etwa heute veröffentlicht – sie würden abgefeiert ohne Ende. Wetten, dass?! Denn der punktuell Laibach, Yello (und andere mehr) vorwegnehmende (!) Mix aus E-Trash-Sounds, pseudo-magischen Rhythmen, Darth Vader am Mikro und schlichtweg genialistisch-simplen Ideen ohne Ende (so dies die insgesamt 19 veröffentlichten Tracks zugelassen haben), würde heute vermutlich noch besser zünden als vor über 30 Jahren, als vermutlich Missmanagement oder mangelndes Interesse am eigenen Schaffen zur Vereitelung einer Weltkarriere geführt haben. Anders ausgedrückt: Daft Punk gab es schon lange vor Daft Punk!

Hans Müller ist 2004 verstorben, am ersten, selbst-betitelten Album wirkten Kräfte der Rattles und der Les Humphries Singers mit. So steht es auf Wikipedia zu lesen, aber gut, bevor alles aus dem Ruder läuft: Jürgen Drews (einst ja auch Singers) war nicht beteiligt, nicht beteiligt an zwei der erstaunlichsten Platten der frühen Achtziger, die im Spannungsfeld zwischen Charts und Dark-Underground kommerziell wahrscheinlich nur scheitern konnten.

Künstlerisch ist vom Scheitern nichts zu vernehmen, wenn auch „Electric Eyes“ im Gegensatz zum Vorgänger, bei aller nicht zu bezweifelnden Qualität, schon etwas von der Radikalität vermissen lässt, mit der der Erstling bis heute zu verblüffen und zu begeistern weiß. So er, Tipp an die DJs im Lande, noch mal entdeckt werden würde.

Die sagenhaft pushenden Linn-Drums von „Why Can The Bodies Fly“ werden auf der A-Seite des Erstwerks gleich vom darauf folgenden Mördertrack „Magic Castle“ zermalmt: von ungeahnter Thanatologie, halt semi-beknacktem Text („there was a magic castle / with life and death in it / and all the old dances / nevermore“), Todesteufelsschreien und anderen fiesen Effekten, die zuvor auf einem Major-Label noch nicht zu vernehmen waren. Im Anschluss reiht sich Höhepunkt an Höhepunkt, das meditativ veranlagte „The Doors, Pt. 1“ darf aus dem munter illustren Reigen der dargebotenen Doom-Trash-Disko-Ferkeleien noch hervorgehoben werden.

Es bleibt ein Rätsel, warum dieser Platte nicht höchste Weihen beschieden waren oder sind, aber gut, immerhin hatte sie einen Hit – WCTBF – vorzuweisen. Anders als der Nachfolger „Electric Eyes“, der vermutlich in Form eines Selbstplagiats funktionieren sollte. Und auch funktionierte, nur eben nicht in baren Umsätzen. Aber dafür anhand von Tracks wie „Soldier of the Light“ oder „Night Crossing“, die mit offenbar erotisierendem Einschlag junge Frauen und alte Mädchen schon zum Tabledance animieren konnten, als der noch gar nicht erfunden war.

Ach was, dafür aber war Stripp-Poker schon 1983 ein Begriff ( … das führt nun wirklich zu weit). Dagegen ist dies Warning bedauerlicherweise längst nicht mehr. Noch vorhandene Pressungen sollten zum Weltkulturerbe ernannt werden.

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