Zum heute 307. Geburtstag von Carlo Goldoni

Rechtsanwalt, Philosoph, Komödiendichter, Librettist, Sprachenlehrer – alle Typen in einer Person

Goldonis Residenz im venetischen Chioggia (Twice25 & Rinina25)

Goldonis Residenz im venetischen Chioggia (Twice25 & Rinina25)

Im Hinblick auf seine Wohnorte und Umzüge ähnelt das Leben des vielseitigen erfolgreichen Komödienschreibers Carlo Goldoni (25.2.1707 – 6.2.1793) demjenigen Gioacchino Rossinis, der sich zum Ende seiner Karriere ebenso für lange Zeit in Paris niederlassen sollte. Die musikgeschichtliche Bedeutung des 1707 in Venedig geborenen Juristen und Philosophen liegt weniger in seinen immerhin 80 Libretti, die er vorwiegend für die opera buffa verfasste, sondern vielmehr darin, dass er dramatische Wendepunkte nicht mehr in den Rezitativen beließ, sondern in eigenständige musikalische Nummern innerhalb der Oper legte. Dies ist im Zusammenhang mit seiner revolutionierenden Verwandlung der Commedia dell’Arte in die Form der Charakterkomödie zu sehen.

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Baldassare Galuppi (1706 – 1785) alleine vertonte 17 Libretti des Venezianers, wobei vor allem die Buffa Il filosofo di campagna (Der Philosoph auf dem Lande, 1754) auch durch die deutschsprachige Version hohe Popularität erreichte. Daneben sollten Le pescatrici (1751), für das Musiktheater durchkomponiert von Ferdinando Bertoni beliebt werden und nicht zuletzt Lo Speziale (Der Apotheker), das 1768, dreizehn Jahre nach seiner Entstehung, von Joseph Haydn für die Oper übernommene Libretto. Eines der früheren, La Contessina (1743) wurde übrigens von Mozart vertont. Des Librettos Il Mondo della Luna (1750, 1777) nahmen sich sowohl Galuppi als auch Haydn an.

Auch als Librettist sehr erfolgreich: Carlo Goldoni (1707 - 1793) (unknown)

Auch als Librettist sehr erfolgreich: Carlo Goldoni (1707 – 1793) (unknown)

Da Goldoni Mitglied der berühmten Accademia dell’Arcadia war, signierte er seine Libretti unter seinem dort verwendeten Pseudonym Polisseno Fegejo.  Er selbst schätzte die Zuarbeiten zur opera buffa nicht sonderlich und ordnete sie als lediglich geldbringende Nebenbeschäftigung ein. In der Sphäre der komischen Oper waren Neuvertonungen anderer nicht gerade üblich, dennoch sollte es gerade bei den von Galuppi verwendeten Bühnenwerken zu zahlreichen weiteren Bearbeitungen, auch durch Piccinni und Salieri kommen. Leider gerieten diese später durch starke Überarbeitungen geradezu zu Verfälschungen, wie er selbst in seiner Autobiographie mit bitterem Ton anmerkte. Goldonis Hauptbeitrag zur opera buffa bleibt jedoch das mit viel Aktion angereicherte Finale, das für ununterbrochen fortlaufende Musik vorgesehen war.

 

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Über Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler in Erfurt, Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.