Mehr als nur Theatermusik

The Ministry Of Wolves

Da hat Paul Wallfisch, der musikalische Leiter am Schauspiel Dortmund, mal wieder ein paar gute Freunde um sich geschart, (nicht nur) zum Zwecke der Theateraufführungsbeschallung: den notorischen Alexander Hacke, den „Bad Seed“ Mick Harvey und Danielle de Picciotto, Crime And The City Solution). Da macht der mit „Botanica“ auch als Bandleader erfahrene Paul Wallfisch gleich mit, um als „Super-Group“ „The Ministry Of Wolves – Music from Republik der Wölfe“ (Mute / GoodToGo) zu erschaffen. Eine Produktion, die auf Platte mindestens so gut funktioniert, wie auf der Theaterbühne.

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Es lebe die Republik! (Mute / GoodToGo)

Es lebe die Republik! (Mute / GoodToGo)

Unter der Regie von Claudia Bauer feierte am 15. Februar das Stück „Republik der Wölfe“ im Schauspiel Dortmund Premiere. Dabei ging es um eine Neuinterpretation der Grimmschen Märchen, unter besonderer Berücksichtigung der Pulitzerpreisträgerin Anne Sexton und ihrer „Transformations“. Wie die Kritiken ausgefallen sind, kann dem Feuilleton der (lokalen) Tagespresse oder dem Heft „Theater heute“ entnommen werden.

Fest steht, dass Wallfisch-Hacke-Harvey-Picciotto ein Album erschaffen haben, das länger als jede Theateraufführung nachwirken dürfte, zumal man es sich immer wieder zu Gemüte führen kann, sollte die Wirkung mal nachlassen. Wenn auch die thematische Vorgabe unüberhörbar bleibt (vor allem wenn de Picciotto das Märchen-Libretto im Rezitativ vorträgt), so liegt mit „The Ministry Of Wolves“ doch ein eigenständiges, gar prächtiges Werk vor. Aus den Schemata des Akzentuierens im Dienste einer szenischen Inszenierung bricht die Band ebenso vehement wie virtuos aus.

Superband: Harvey, Wallfisch, Hacke, de Picciotto (Thomas Ecke)

Superband: Harvey, Wallfisch, Hacke, de Picciotto (Thomas Ecke)

Da macht sich dann auch schon mal ein Schwerblüter-Blues der Seeds-Schule breit („Rapunzel“), dann überrascht Harvey mit einem Leonard Cohen-Singalike („Snow White“), doch über die gesamte Spielzeit (sic) setzt sich ein neo-folkloristischer Einschlag durch, was bei der Vergangenheit von Paul Wallfisch auch nicht wirklich überrascht. Ein Album, das aufgrund seiner Detailfreude Aufmerksamkeit erfordert und dennoch von einer Leichtigkeit getragen wird, die ihren Ursprung in der musikalischen Kompetenz seiner Erschaffer findet.
Und eben nicht bei der Grimmschen Märchenwelt, die am besten wegzudenken ist, um das Album zweckfrei goutieren zu können.

Schade nur, dass es sich angeblich um eine einmalige Fusionsleistung handelt. Doch nur weil der Vierer einmalig zu Werke geht, muss das ja nicht unbedingt bedeuten, dass weiteres gemeinsames Musizieren ausgeschlossen ist, nicht wahr?

Das wohl dosiert überreiche Album erscheint am 7. März.
Den Track „Rumpelstiltskin“ gibt es schon jetzt: vimeo.com/79680934

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