40 Jahre Nits - vier Deutschland-Konzerte

Schwermut & Schwebebahnen

Die nach Golden Earring bewährteste Band der Niederlande begeht ihr 40. Betriebsjubiläum mit zahlreichen Konzertveranstaltungen in der Heimat – und einigen Gigs außerhalb. Nachdem die Nits im vergangenen Jahr u. a. mal wieder Moskau bereisten, sind nun Köln (Kulturkirche, 28. März), Karlsruhe (Tollhaus, 29. März), Nürnberg (Hirsch, 30. März) und München (Deutsches Theater, 3. April) auserkoren, um eine einzigartige Formation zu würdigen, die aus einem Fundus von über 20 Studioalben schöpfend bekanntermaßen zu konzertanten Überlängen neigt.

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Überall Ereignis: Nits (nits.nl)

Überall Ereignis: Nits (nits.nl)

Die Gründung der Band The Nits (das „the“ wurde Mitte der Achtziger ersatzlos gestrichen) verdankt sich 1974 den Studentenpinten von Amsterdam und Leiden. Von den vier Gründungsmitgliedern, die allesamt auf Kunst-Akademien zugegen sind, bleiben Hauptsongschreiber und Sänger Henk Hofstede sowie Schlagwerker Rob Kloet fortan ununterbrochen (Kopflaus-) Nissen („Nits“ sollte entfernt an eine andere, recht bekannte Band mit Insektenbezug im Namen erinnern).

Von Anfang an mit den Nits eng verbunden und seit vielen Jahren fester Dritter im Bunde: Robert Jan Stips, der als Keyboarder und Produzent als ein Tausendsassa und Faktotum der niederländischen Musikszene bezeichnet werden kann. So war er in den Siebzigern auch mal festes Mitglied der eingangs erwähnten Golden Earring („Moontan“, „To The Hilt“). Es gibt kaum eine niederländische Rock-Produktion von Rang, bei der Stips nicht involviert gewesen ist.

Der Erstling erscheint 1978 in einer 1000er Auflage, und verschwindet für immer im Archiv, da die Band sich bis heute nicht mit dem Ergebnis zufriedengeben will (was eine Wiederveröffentlichung nur noch interessanter macht). Noch im gleichen Jahr nehmen sie mit „Tent“ einen zweiten Anlauf. Mit zwei weiteren Alben in rascher Folge („New Flat“, „Work“) festigen die Nits in Insiderkreisen ihren Ruf als eine der ersten ernstzunehmenden New Wave-Bands der Niederlande (die andere nennt sich Gruppe Sportivo und schreibt gleichfalls Musikgeschichte). Der phasenweise vertrackt-zickige Sound weist tatsächlich eine gewisse Nähe zu XTC, Oingo Boingo, Devo, Talking Heads oder auch zu Prefab Sprout und den Original Mirrors auf.

Spot The Difference (nits.nl)

Spot The Difference (nits.nl)

Doch der antiautoritär interpretierte Formalismus zur Verfestigung des eigenen Kunstanspruchs scheint nicht elastisch genug, um die sinnliche Verfassung der Band auszuhalten. 1983 spielen sich die Nits mit „Omsk“ frei. Ein breit gefächertes Instrumentarium trifft nun auf Songs, die erstmals jene Charakteristika aufweisen, die für die kommenden dreißig Jahre zum Markenzeichen der Band werden sollen. Und mit „Nescio“ fällt sogar ein bis heute in den Niederlanden oft gespielter Radiohit ab: Mit italienischem Timbre dargeboten und dem Schriftsteller Jan H. F. Grönloh gewidmet, handelt es sich um einen zeitlos schönen Schmachtfetzen, der die zukünftigen emotionalen Triebfedern der Nits vorgibt: Flüchtige Sehnsucht, verhaltene Schwermut, zweifelhafter Verlust und hoffnungsvolle Trauer, wenn auch „Nescio“ in der Albumversion den Anschein erweckt, es handele sich um eine Parodie auf Schmalz und Schmerz in Liedform.

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