Kloet, Hofstede, Stips - Nits (nits.nl)
Kloet, Hofstede, Stips – Nits (nits.nl)

Emblematisch konstant Kunstpop und Popkunst austarierend, dominiert ab dem 84er-Album „Adieu Sweet Bahnhof“ eine anheimelnd-melancholische Tonalität, die textlich von unergründlichen Metaphern und situativ-assoziativen Skizzen gestützt wird. „Adieu Sweet Bahnhof“ wird zu einem programmatischen Titel – heitere Verspieltheit trifft auf Abschiedsschmerz. Nun handeln Nits-Songs überwiegend von Reisen, Traumreisen, rätselhaften Momentaufnahmen, Hotelzimmern (oder auch magischen Blicken aus Hotelzimmerfenstern), von Tankstellen, Raststätten, Bahnhöfen, Zügen.

Dabei werden die Handlungsorte, die sich bevorzugt über Westeuropa erstrecken, vielfach konkretisiert und beim Namen genannt, wie etwa die (Wuppertaler) Schwebebahn im gleichnamigen Song auf dem jüngsten, nach dem Mailänder Flughafen benannten Album „Malpensa“. Darüber hinaus erfährt die mal nostalgisch, mal surreal verortete Schwermutssüße anhand absurder oder gar dadaistischer Einschübe eine Immunisierung gegenüber profaner Eindeutigkeit. Es sei denn, die impressionistisch gehaltenen Texte, die zudem häufig Bezüge zur Darstellenden Kunst aufweisen, handeln letztendlich doch wieder „nur“ von Abschied, Verlust und Vergänglichkeit. Das bleibt Interpretationssache.

Bleibt Interpretationssache: Nits (nonpop / nits.nl)
Bleiben Interpretationssache: Nits (nonpop / nits.nl)

Auf seine eigentümlichen Texte angesprochen, gesteht Henk Hofstede, aus seinem Unterbewusstsein zu schöpfen: „Dinge, die mich beschäftigen und berühren, auch alltägliche oder politische Ereignisse, finden sich mit monate- oder sogar jahrelanger Verzögerung in meinen Texten wieder. Ich kann mich dessen nicht erwehren.“ Darüber hinaus gibt er als seinen wichtigsten Songwriter-Einfluss Leonard Cohen zu Protokoll. Doch nicht nur das: Gemeinsam mit dem Schweizer Simon Ho (und zwei finnischen Mitstreiterinnen) interpretiert er als „Avalanche Quartet“ die Songs seines Vorbilds: „Es stimmt, vieles von den Nits ist cohenesk getüncht oder angedacht. Aber Ray Davies und Joni Mitchell würde ich auch gerne einmal covern.“

Auf „Henk“ (1986) läuft noch Nat „King“ Cole im Radio („Home Before Dark“), doch im Jahr darauf genießen die Nits mit „In The Dutch Mountains“ selbst europaweites Airplay; das von Henk Hofstede inszenierte Video wird zu einer Ikone (der Ruderer dient noch heute als Bandemblem). Was dem „One-Hit-Wonder“ kaum anzuhören ist: In einem Take in einer Turnhalle eingespielt und von einem Zweiband-Tonbandgerät aufgenommen, handelt es sich um LoFi pur.

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