Giant Normal Dwarf (nits.nl / Sony BMG)
Giant Normal Dwarf (nits.nl / Sony BMG)

Trotz oder aufgrund des Erfolgs von „In The Dutch Mountains“ befinden sich die Nits nun auf ihrem Zenit. Das 3-LP-Live-Album „Urk“ chartet hoch, die aufwändigen Filmprojektionen der dort festgehaltenen Tour etablieren die Band als Showevent. Es folgen drei Alben für die Ewigkeit: „Giant Normal Dwarf“ (1991, ein klingendes Märchenbuch für Hofstedes Nachwuchs), „Ting“ (1992, minimalistisch-kammermusikalisches Steineklopfen) und „dAdAdA“ (1994, hochmelodischer Melo-Pop mit doppeltem Boden). Weiterhin entsteht ein vergleichsweise schwer zugängliches Orchesterwerk, für das vor allem Robert Jan Stips verantwortlich zeichnet: „Hjuvi“.

Mit „Alankomaat“ klopfen 1998 erste Auflösungserscheinungen an, die nach dreijähriger Veröffentlichungspause mit „Wool“ auch eingelassen werden. Sicher hat auch dieses Album seine Momente und Qualitäten, doch Flow und Flair sind dahin, es „nitst“ nicht. „1974“ (2003) lässt sogar die wenigen Momente vermissen, ein Totalausfall. Mit dem bedeckt-unverbindlichen „Les Nuits“ (2005), das u.a. den Mord an Theo van Gogh (metaphorisch) thematisiert, kündigt sich Besserung an. Auch fällt ein eigenartiges Tour-Package mit Uriah Heep (!) in diese Orientierungsphase.

Ungelooooovelijk, maar waar (postertreasures.de)
Ungelooooovelijk, maar waar (postertreasures.de)

Doch es braucht noch zwei weitere Alben – das mit vielen Rock-, Folk- und Country-Elementen wesensfremde „Doing The Dishes“ (2007) und das etwas zu leicht(fertig) daherkommende „Strawberry Wood“ (2009) – bis mit „Malpensa“ (2012) endlich wieder jene durchgängige Qualität erreicht wird, mit der die Nits zurecht verbunden werden: Stringente Songs und Strukturen treffen auf unzählige, sachdienlich eingesetzte Details. Die Sessel im Kopfkino sind wieder kuschelig angewärmt, die typische Nits-Stimmung, sie stimmt wieder.

Beste Voraussetzungen, um gemeinsam mit den Nits den runden Geburtstag zu begehen. Gerade weil es kein brandneues Album vorzustellen gilt, darf das geneigte Publikum auf die Songauswahl der Werkschau gespannt sein. Doch unabhängig von der Setlist: Live sind die Nits immer ein zeitloses Ereignis mit bleibendem Erlebnisfaktor.

Einige Hörbeispiele – live

„Nescio“, Omsk
https://www.youtube.com/watch?v=frONKNsr_sE

„Home Before Dark“, Henk
https://www.youtube.com/watch?v=PVWwLZSRamc

“Two Skaters”, In The Dutch Mountains
https://www.youtube.com/watch?v=So6VyLNzQI4

„House Of The Sleeping Beauties”, Giant Normal Dwarf
https://www.youtube.com/watch?v=bcwc6awiSac

“Cars & Cars”, Ting
https://www.youtube.com/watch?v=TrOv_IHAM1U

„Abandoned Mine“, dAdAdA
https://www.youtube.com/watch?v=RSkfYWENWuM

“In The Dutch Mountains”, in einer karnevalesken Brass-Version der “Bahnhofgeister”
https://www.youtube.com/watch?v=bbIhlFQtcW0

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