Powder! Go Away

Reprise des Winters, Closer To Cold

In unseren Längengraden gehört der im Sterben liegende Winter zu den schlappen seiner Zunft. Es nützt aber nichts, Kühle und Kälte kennen als gängige Metaphern für emotionale Zustände keine Saison Das haben auch Powder! Go Away aus dem Moskauer Vorort Luhovici verinnerlicht („The Snow In The Subway“). Also veröffentlichen sie pünktlich zum vierjährigen Bestehen ihren dritten Longplayer, der mit hoffnungsirren Wärmewellen vom inhaltlichen Widerspruch zum Titel zehrt: „Closer to cold“ (Flowers Blossom In The Space / Bandcamp etc).

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Closer To Cold: Powder! Go Away (Flowers Blossom In The Space)

Closer To Cold: Powder! Go Away (Flowers Blossom In The Space)

Der Titel des Vorgängers, „We Don’t Know When It Has Begun, But We Know That It Will Never End“, fiel griffiger aus, doch das Zupackende am klassischen Post-Rock von Sergey Velesko, Eugeniy Sanches (Gitarren), Pavel Utropov (Bass) und Ilya Gerasimenko (Drums) ist geblieben, da darf die Annäherung an gefühlt kalte Temperaturen auch ruhig ins Leere führen. Die neuen Kompositionen scheinen einer Innerlichkeit entsprungen zu sein, die der Vorgänger mit orbitalen Spannungsbögen wohl noch ins große Welttheater verlegen wollte. Oder, um dem auch dem Titel des Debutalbums („Laika still wants to go home“) die Referenz zu erweisen: Laikas Wunsch scheint auf „Closer to cold“ in Erfüllung gegangen zu sein, nun streift sie herrenlos auf Erden umher und muss vom tiefen Sehnen erlöst emotional kleinere Brötchen backen.

Wo bleibt der Eiswein? (powdergoaway.com)

Wo bleibt der Eiswein? (powdergoaway.com)

„Closer to cold“ bedeutet für Powder! Go Away Entschlackung, Entsagung von allzu protzigem Pathos, der „We don’t know…“ stellenweise zu erschlagen drohte („10 July 2011. Storm“ – immer dieses Wetter und der blöde Klimawandel…). Sich auf das mit Gitarren, Bass, Schlagzeug sagbare beschränkend (wavige Effekte inkludierend), lädt die Band zur nachhaltigen Kontemplation ein. Sie widerstehen der Versuchung, Schippe auf Schippe zu schippen und fügen sich den Vorzügen der Überschaubarkeit, der Kargheit auch, sogar der Stagnation begegnen sie mit Gewinn. Bevorzugt bei einem gut gekühlten Wodka, pardon, Eiswein auf der Veranda im heimischen Schrebergarten zu genießen (und die anderen Bewohner die Arbeit machen lassen). „Juggernauts are coming“? So what?! Das Greifbare taugt, man kann es auch sein lassen, so lehrt es das Post-Rock Highlight dieses Frühjahrs.

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