Bristols meiste Murmeln

Beyond Ugly: Malachai

Ein Album, das zarte Seelen mit ausgeprägtem Hang zu Phantasiephobien zu unterhaltsamen Wachträumen verleiten dürfte: Mit Cut-up Schneid und Triphop-Leid wird spätsechziger Psych-Pop unbarmherzig verhackstückt, der fertige Bristol-Mettigel mit einer unberechenbaren Fülle an zwingend platzierten Überraschungseffekten aus der Wutkühlkammer garniert. Was auch immer Gee Ealy und DJ Scott Hendy dazu gebracht hat, ihre Reflexionen über das Hässliche in die dritte Runde gehen zu lassen, sie haben gut daran getan: „Beyond Ugly“ (Double Six /Domino / GoodToGo), ab dem 31. März beim Traumfänger Ihres Vertrauens zu erwerben.

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Cocteau Cover: Malachai (Double Six / Domino)

Cocteau Cover: Beyond Ugly (Double Six / Domino)

Nicht allzu häufig wird schnaubende Angepisstheit mit so viel Freude am treffsicheren Frickeln dargeboten wie auf „Beyond Ugly“, am stichhaltigsten herauszuhören – bitteschön – bei der Trias „Holes“, „Here It Comes“ und „I Deserve To No“ (und Yma Sumac grüßt von der Toilette). Treibendes Hitpotenzial wird von erst von auto-pädophilen Karusselldrehern, dann von leichtmetallischen Irrläufern erschlagen. Und das alles nur, um mit „White Nuthin‘ Sky“ wieder ins Beet fälschlicher Erdung gesteckt zu werden – womit gerademal ein knappes Drittel des Albums abgekaspert wäre.

Second Service: John Kinkade und Roky Erickson treffen als Astralkörper aufeinander, aus der Kollision gehen milchglasige, perfekt gerundete Murmeln hervor, die auf Bristols schmutzigste Pflaster fallen. Eine Gruppe B-Boys liest sie auf, fügt ihnen mutwillig Läsuren zu, wendet sich vom Missbrauch ab und besteigt den Zug nach Bath Spa. Da kommt Geoff Barrow (Portishead) des Weges. Sofort erkennt er dem ihm geläufigen Reiz des in Mitleidenschaft Gezogenen wieder, kurze Zeit später ist „Beyond Ugly“ im Kasten. Beim Heiligen Malachias!

Recht runde Sache: Malachai (Marc Bessant)

Recht runde Sache: Malachai (Marc Bessant)

Geoff Barrow wollte Ealy und DJ Hendy schon 2009 anlässlich des Erstlings „The Ugly Side Of Love“ signen, doch die Clownereien des Showbiz sollten ihm lediglich den Part der freundlichen Unterstützung zubilligen, so auch auf „Beyond Ugly“: Zusammen mit Sergio Pizzorno (Kasabian) zeigt er auf „Dragons Ball“ und „The Love“ Präsenz. Wäre aber gar nicht nötig gewesen.

„Beyond Ugly“, aufmerksamen Lesern dürfte das nicht entgangen sein, versetzt zarte Seelen mit Hang zu Phantasiephobien in einen Zustand, der mit Zurechnungsfähigkeit auf Kriegsfuß steht. Lassen wir also die Maskeraden beiseite und lieber die Mordspuppen tanzen, denen die Plastikhaare Track für Track einzeln auszureißen sind (ihr Jammern ist auf „Down To Earth“ nachzuhören).

Jedem Album die Sprache, die es verdient! Gee Ealy hat sie drauf, Extra-Applaus für seine Performance! Sorry to judge: „Beyond Ugly“ ist der (vorläufige) Höhepunkt im Schaffen von Malachai, auch wenn sich auf Anhieb kein Übersong der Marke „Shitkicker“ oder „Snowflake“ finden lässt. Und wenn die DJane im Club nicht bald mal flugs „White Nuthin‘ Sky“ auflegt, so zwischen Kinkade („Dreams Are A Penny“) und Erickson, mache ich sie persönlich a) dafür verantwortlich und b) aus dem Stand zur Murmel. So wird vielleicht doch noch was Anständiges aus ihr.

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