Interview mit Dieter „Maschine“ Birr

„Lust, Leidenschaft und Spaß“

Rock-Urgestein und Frontmann der Puhdys, Dieter „Maschine“ Birr, kann sich dieser Tage über Mangel an Arbeit nicht beklagen. Erst erscheint seine Biografie (Verlag Neues Leben), dann sein neues, schlicht „Maschine“ betiteltes Album (am 14. März, Heart Of Berlin / Universal). Und dann wäre da am 18. März noch sein 70. Wiegenfest, das er in trauter Runde zu begehen beabsichtigt. Trotz allen Trubels fand er die Gelegenheit, um Auskunft zu geben: über Freunde und Kollegen, zeitgemäße Arrangements und zeitlose Songs.

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Maschine wie er im Buche steht, die Biographie (Verlag Neues Leben)

Maschine wie er im Buche steht, die Biographie (Verlag Neues Leben)

amusio: „Dein Album könnte als eine Art Werkschau bezeichnet werden. Natürlich dürfen die absoluten Mega-Hits der Puhdys, `Geh zu ihr´ und `Wenn ein Mensch lebt´, nicht fehlen. Was waren die Gründe für die Auswahl von Neueinspielungen von Songs wie `November im  Mai´ oder `Du bist schuld“?

Dieter „Maschine“ Birr: „Zunächst einmal, das ist klar, gefallen mir die ausgewählten Songs nach wie vor sehr. Wichtig war mir jedoch, dass sie sich auch textlich für eine sparsame Instrumentierung und eine dadurch gesanglich eher vordergründige Interpretation angeboten haben. Auch wenn etwa `Boote der Jugend´ zurzeit wieder häufig auf Antenne Brandenburg im Original gespielt wird, orientierte ich mich bei der Auswahl also nicht an der Bekanntheit der Lieder. Sondern, neben ihrer inhaltlichen Aktualität, vor allem an der Lust, der Leidenschaft und dem Spaß sie neu aufzunehmen und zeitgemäß erklingen zu lassen.“

amusio: „Zu den Neufassungen gehört auch `Regen´, das du gemeinsam mit Julia Neigel eingesungen hast. Wie kam es dazu?“

Dieter „Maschine“ Birr: „Tatsächlich bin ich Julia Neigel zuvor nie persönlich begegnet. Mein Produzent, Ingo Politz, hatte ihr den Song zukommen lassen, er hat ihr gefallen – und dann tauchte sie bei mir im Studio auf. Wir haben uns direkt umarmt, spürten sofort die gemeinsame Wellenlänge, und dann haben wir losgelegt, mit einem, wie ich finde, gelungenen Ergebnis. Aber Musiker sind ja immer sehr emotional und spontan, wenn sie merken, dass die Chemie stimmt. Das war mit Wolfgang Niedecken auch so, wenngleich wir uns einander schon in den Jahren zuvor begegnet sind.“

amusio: „Wolfgang Niedecken unterstützt dich gleich bei zwei Liedern, `Leben ist kurz´ und `Was wussten wir denn schon´. Ein rockmusikalisches Gipfeltreffen …“

Dieter „Maschine“ Birr: „Zu dem die Initiative von mir ausging. Ich erfuhr von Wolfgangs Soloalbum, auf dem er auch ältere Bap-Songs neu einspielt und von seinem Schlaganfall aus dem Fernsehen. Und da fielen mir die Parallelen auf. Auch ich wollte ein Album mit älteren Liedern aufnehmen, auch ich war zwischenzeitlich wegen einer Borreliose außer Gefecht. Also habe ich den Kontakt zu Wolfgang aufgenommen und ihn gebeten, eine zusätzliche Strophe zu `Leben ist kurz´ zu schreiben und diese auf meinem Album, gerne auf Kölsch, auch zu singen. Er kam dann zu mir nach Berlin ins Studio und dort habe ich ihn noch mit einer anderen, halbfertigen Songidee konfrontiert.“

Behält den Durch- und Überblick: Maschine (Ben Wolf / dieter-maschine-birr.de

Behält den Durch- und Überblick: Maschine (Ben Wolf / dieter-maschine-birr.de)

amusio: „Aus der dann `Was wussten wir denn schon´ hervorgegangen ist.“

Dieter „Maschine“ Birr: „Wolfgang hat dann etwas gemacht, was ich auch schon im Hinterkopf hatte. Er meinte, `machen wir doch ein Lied über uns und unsere gemeinsame Geschichte´, die ja 1984 begonnen hatte, als die Puhdys für Bap im Palast der Republik eingesprungen waren. Und so durfte sich Wolfgang gleich wieder auf den Weg ins Berliner Studio machen. Unser Kontakt nahm seinen Anfang allerdings nicht bei den Ereignissen im Palast der Republik. Da sind wir uns nicht über den Weg gelaufen. Die erste flüchtige Begegnung ereignete sich kurz zuvor im Rahmen einer TV-Jugendsendung. Jahre später haben wir uns anlässlich einer WDR-Dokumentation über den Palast der Republik getroffen und fanden uns gegenseitig auf Anhieb sehr sympathisch. Wiedergesehen haben wir uns dann bei Thomas Gottschalk und seiner Show „50 Jahre Rock `n Roll“. So gesehen trägt das Fernsehen eine gewisse Mitschuld an unserer Freundschaft.“

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