Musik der Karibik I

Jenseits des Atlantik: Salsa und Latin Styles

Auch wenn es auf den ersten Blick etwas weit hergeholt erscheint: Fidel Castros Revolution wirkte sich positiv auf die Entwicklung der kubanischen Musikszene aus: In den frühen 1970er Jahren traten nicht nur die Castros politische Einstellung teilenden Künstler der nueva trova in Erscheinung, es etablierte sich auch der spezifisch kubanische Latin Jazz. Politik und Gesellschaftskritik waren aber nicht prinzipiell Themen der Songs etwa von Silvio Rodríguez und Pablo Milanés, vielmehr vertraten diese eine Form der Rockballade mit dezidiert poetischen Texten – man vergleiche dazu die legendären Lieder des Buena Vista Social Club.

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Maracas aus Holz gehören häufig zum Instrumentarium der Salsa-Bands (Axel Heymann).

Maracas aus Holz gehören häufig zum Instrumentarium der Salsa-Bands (Axel Heymann).

Diese Musikrichtung kam nicht ohne Vorbilder aus: Sie knüpfte an kubanische Tanzmusiktraditionen an, verwendete aber nahezu surrealistische Texte, so Rodríguez in seinem bekannten El unicornio (Das Einhorn). Etliche kubanische Musiker wanderten zur Zeit der Revolution und noch danach nach Miami oder New York City aus, wo sie mit ihren Schöpfungen zu einem bunten und dynamischen Gesellschaftsleben erheblich beitrugen. Sie pflegten in ihren neuen Stadtdomizilen nicht nur die Guaracha und den Son, sondern auch Latin Jazz (dessen eigentliche Heimat New York wurde) und Salsa. Bei der Guaracha handelt es sich um eine der ältesten kubanischen Lied- und Tanzformen. Sie stellte sozusagen das satirische Zwischenspiel im Volkstheater schon des 18. Jahrhunderts dar, das auf die Einflüsse des spanischen Tonadilla-Theater zurückgeht. Der Zapateado war der ursprüngliche Tanzschritt zu diesen Liedern.

Salsa meint ja zunächst eine Sauce aus vielen verschiedenen Zutaten, insofern wird bei einem so komplexen Tanz die Bedeutung unmittelbar verständlich. Nicht allein die in New York lebenden Kubaner trugen zu seiner Entwicklung bei, auch die puertoricanische Bevölkerung hatte einen großen Anteil bei seiner stadtspezifischen Ausprägung. Von dieser Seite nahm der Stil Merkmale der plena und bomba auf, von der dominikanischen Merengue und auch Aspekte des genuin kolumbianischen cumbia und vallenato, eine bunte Mixtur aus ganz verschiedenen Tänzen also.

Typisches Arrangement für Schlaginstrumente im Salsa, hier für Congas und Glocken (Dr clave)

Typisches Arrangement für Schlaginstrumente im Salsa, hier für Congas und Glocken (Dr clave)

Zu einer typischen Salsa-Band gehören – und hierin zeigt sich die Verwandtschaft mit dem kubanischen Son – neben dem Solosänger oder der Solosängerin zwei bis vier Blechblasinstrumente, Conga, Bongo-Trommeln, Schlaghölzer (claves), Schraper (güiro) oder Trommeln wie maracas und timbales sowie … eine Kuhglocke. Legendäre Aufnahmen mit Salsa- und Latin-Jazz-Musik bieten zum Beispiel Kompilationen wie Spirit of Salsa (Wagram/Indigo 2012, B0039VUYZI) und – frisch aus der Presse – This is Salsa (Blackline/Membran B00505T8Y4, 2014) unter anderem mit populären Titeln wie Tu Ausencia und Lupita.

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Über Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler in Erfurt, Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.